21. Juli in Brüssel: Feiern unter Hochdruck

Der diesjährige belgische Nationalfeiertag fand unter besonderen Vorzeichen statt. Zum einen befindet sich Belgien in einer tiefen politischen Krise und zum anderen streitet sich das Königshaus mit einem unkonventionellen Prinzen. Zu allem Überfluss kamauch noch just an diesem Tag ein EU-Sondergipfel zur Rettung des Euro hinzu.

Die Feierlichkeiten zum 21. Juli, dem belgischen Nationalfeiertag begannen schon am Mittwochabend mit einem Volksball im Brüsseler Stadtviertel Marollen, wo sich rund 15.000 Menschen eingefunden hatten.

Hier tobte sich Prinz Laurent (Foto) aus, der jüngste Sohn von König Albert II., der in seiner Familie nach einer Reihe kleiner und großer Skandale, auch politischer und internationaler Natur, in Ungnade gefallen ist.

Ihm wurde zum Beispiel nahegelegt, am Nationalfeiertag selber nicht zur Parade zu erscheinen. Doch in den Marollen, mitten unter dem "einfachen Volk“, fühlte er sich offenbar pudelwohl und tanzte sich mit seiner Gemahlin, Prinzessin Claire, die Seele aus dem Leib.

Der Feiertag an sich begann mit dem traditionellen Te Deum in der Brüsseler Kathedrale Sankt Michael und Sankt Gundula, an dem viele Vertreter des Königshauses, der Politik, der Armee, der Kirche und vieler anderer Teile der Gesellschaft teilnahmen.

Den ganzen Tag über fiand im Warandepark in der Hauptstadt ein großes Volksfest statt. König Albert II. hatte angekündigt, dieses Jahr nur zum Te Deum und zum großen Defilee zu erscheinen.

Offenbar geht ihm die politische Krise mit mehr als 400 Tagen ohne Bundesregierung zu nahe und deshalb ist ihm auch an diesem symbolischen Tag für die Dynastie nicht zum Feiern zu mute.

Polizei im Großeinsatz

Die Brüsseler Polizei hatte an diesem Tag viel zu tun, denn es galt gleich mehrere Großveranstaltungen abzusichern. Zum einen am Morgen das Te Deum in der Kathedrale, zu dem viele Würdenträger aus dem Land erschienen und zum anderen der EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone, zu dem der EU-Vorsitzende Herman Van Rompuy - ein Belgier - ausgerechnet am hiesigen Nationalfeiertag eingeladen hatte.

Daneben fand am Nachmittag die traditionelle Militärparade statt, zu der jedes Jahr tausende Zuschauer erwartet werden und den ganzen Tag über feierten die Menschen den Nationalfeiertag im Warandepark ein großes Volksfest mit abschließendem Riesenfeuerwerk.

Die Polizei setzte insgesamt 1.500 uniformierte Beamten ein, um alles in gute Bahnen leiten zu können. Eine gewisse latente Nervosität war aber da, denn nicht zuletzt hatten Altkönigin Fabiola und Belgiens scheidender Verteidigungsminister Pieter De Crem (CD&V) in der jüngeren Vergangenheit wieder Morddrohungen erhalten.