Jeder siebte Belgier ist depressiv

Circa 14 Prozent der Belgier, also jeder Siebte, leidet während seines Lebens mindestens einmal an einer Depression. Das belegt eine Studie im Auftrag der Weltgesundheits- organisation (WHO). Die Ergebnisse wurden in der führenden Zeitschrift BCM Medicine veröffentlicht.

Die WGO ließ in 18 Ländern die psychische Gesundheit der Einwohner untersuchen. Insgesamt wurden 89.037 Menschen befragt, darunter 2.400 Belgier. Für den belgischen Teil der Studie war Professor Koen Demyttenaere von der KULeuven (Katholische Universität Löwen) verantwortlich.

Er kam zu der Schlussfolgerung, dass fünf Prozent der befragten Belgier im Jahr vor ihrem Interview mindestens zwei Wochen lang an einer sogenannten 'schweren Depression‘ litten. Schlafstörungen, verminderter Appetit, nichts mehr genießen können, Mangel an Energie und Selbstmordgedanken, das alles sind Symptome einer schweren Depression.

Über einen längeren Zeitraum steigt die Zahl der Betroffenen sogar auf 14 Prozent. Jeder siebte Belgier war demnach schon einmal depressiv. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer, vor allem als Jugendliche, oder in der Zeit vor der Menopause – das ist weltweit erwiesen. Außerdem erleiden diejenigen öfter eine Depression, die ein höheres Einkommen haben und in wohlhabenderen Ländern wohnen, sowie die Menschen, deren Beziehung gerade gescheitert ist.

Im Vergleich zu den 17 anderen Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde, landet Belgien auf den siebten Platz. Auf Platz eins steht Frankreich, wo 21 Prozent der Befragten schon an einer Depression litt. Die USA stehen auf Platz zwei (19%), Brasilien auf Platz drei (18.4%) und die Niederlande auf Platz vier (17.9%). Am besten abgeschnitten haben Mexico (8%), Japan (6.6%) und China (6.5%).

Kulturelle Unterschiede

Emily Bromet, die Studienleiterin von der State University in New York, glaubt, Stress spiele in den reicheren Ländern wahrscheinlich eine große Rolle. Bildungsschwäche führt in diesen Länder ebenfalls schneller zur Depression, da die Kluft zwischen dem Reichtum des Landes und dem eigenen Einkommen als größer erfahren wird, als in ärmeren Ländern.

Darüber hinaus können kulturelle Unterschiede auch einen Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens von Depressionen haben. Bewohner reicherer Länder sind oft weniger religiös und Familienbande sind oft weniger stark ausgeprägt. Deswegen fühlen sich Menschen in wohlhabenderen Ländern öfter mit ihren Problemen alleine gelassen. Eine weitere Erklärung des Phänomens könnte sein, dass in stärker bevölkerten, oft ärmeren Ländern Depressionen nicht die gleiche Beachtung geschenkt wird. Die gesellschaftliche Anerkennung psychischer Krankheiten ist häufig sehr niedrig. Depression ist dort oft ein Tabuthema.