Unwetter: 5 Tote bei Popfestival in Hasselt

Ein kurzes aber schweres Unwetter hat das Gelände des Pukkelpop-Festivals in Hasselt am frühen Donnerstagabend in ein Schlachtfeld verwandelt. 5 Menschen verloren dabei ihr Leben, 10 weitere wurden schwer verletzt. Das Festival mit etwa 60.000 Besuchern am Tag wurde abgebrochen.

Bei dem schweren Regen- und Hagelsturm, der am frühen Donnerstagabend über das Pukkelpop-Festival hinweg zog stürzten zwei Bühnenzelte in sich zusammen, knickten Bäume um und begruben Stände und Zelte unter sich, stürzten Lautsprechertürme und Großbildschirme um und auf den umliegenden Campingplätzen wurden tausende Zelte einfach weggeweht.

Drei Personen kamen während des Unwetters ums Leben, zwei weitere erlagen ihren schweren Verletzungen in der Nacht zum Freitag in einem Krankenhaus. Einer der Toten kam auf dem Campingplatz direkt gegenüber dem Festival-Eingang ums Leben, zwei fanden den Tod auf dem Gelände.

Die anderen starben, als das "Chateau“ - ein Bühnenzelt - in sich zusammenbrach. Zehn weitere Personen wurden schwer verletzt - von denen drei am Freitagmorgen noch um ihr Leben rangen und Dutzende Musikfans trugen nur leichte Verletzungen davon. Insgesamt wurden 140 Personen, Belgier und Niederländer, in Krankenhäusern untergebracht.

Zunächst sah es so aus, als würde das am Donnerstag vorläufig abgebrochene Musikevent am Freitag fortgesetzt, doch angesichts der Zahl der Toten und der doch umfangreichen Zerstörungen auf dem Festivalgelände und den umliegenden Campingplätzen gab Veranstaltungsleiter Chokri Mahassine am frühen Freitagmorgen bekannt, dass Pukkelpop doch beendet wird.

Chaos und die Hilfe einer ganzen Stadt

Die Stunden nach dem Unwetter glichen einem Chaos. Hilfekräfte sorgten sich um die vielen Verletzten, zehntausende Jugendliche und andere Festivalbesucher suchten verlorene Begleiter oder versuchten verzweifelt per Mobiltelefon ihre Angehörigen zu erreichen. Dabei brach das Netz des belgischen Telekom-Giganten Belgacom, der das Handy-Netz Proximus betreibt, zweitweise völlig zusammen.

Spontan brach in der Stadt Hasselt, in dessen Ortsteil Kiewit das Festival seit vielen Jahren stattfindet, eine Welle der Solidarität aus. Viele Privatleute luden durchnässte Festivalbesucher ein, zu übernachten und sich erst mal abzutrocknen, mehrere Hotels - darunter auch Luxusherbergen - boten Zimmer und andere Räume an und die Stadtverwaltung öffnete Säle, Messehallen und andere Einrichtungen, damit die Menschen ein Dach über dem Kopf fanden, denn die Campingplätze waren bei dem Unwetter völlig zerstört.

Die meisten jungen Leute dort waren sommerlich gekleidet und so manche hatte die eine oder andere kleine Wunde, unter anderem von dicken Hagelkörnern und herumfliegenden Gegenständen verursacht. Überall wurde ihnen Hilfe zuteil.

Das soziale Netzwerk Twitter sorgte für eine Hilfe bei der Kommunikation und Leuchtschriften überall auf dem Festivalgelände unterrichteten die Festivalbesucher, die noch immer überall herumirrten, über das Geschehen.

Die Stadt Hasselt und die Verkehrsgesellschaften sorgen seit den Nachtstunden dafür, dass die Besucher mit Bussen und Bahnen wieder nach Hause fahren können.

Das "Chateau"-Bühnenzelt brach in sich zusammen

Die meisten Toten verloren ihr Leben, als das "Chateau" zusammenbrach. In diesem Zirkuszelt spielte gerade die US-Band Smith Western, als sich durch den heftigen Sturm die ersten Risse in der Zeltplane zeigten.

Diese Plane hielt dem Druck dessich sammelnden Regenwasser nicht stand und sorgte dafür, dass die Haltestangen umknickten.

Zu diesem Zeitpunkt hatten leider noch nicht alle Zuschauer das "Chateau" verlassen und so kam es dort zu zwei Toten und mehreren schwer Verletzten.

Dies ist wohl der schwerste und folgenreichste Tag für die Festivallandschaft in Belgien. Die Organisatoren von Pukkelpop und die Bürgermeisterin der Stadt Hasselt, Hilde Claes, sprachen vom "schwärzesten Tag" in ihrer Geschichte.

Eigentlich sollte Pukkelpop noch bis Samstagnacht andauern. Rund 240 Auftritte waren ursprünglich programmiert.

Kondolenzliste und königlicher Besuch

Im Rathaus der Stadt Hasselt ist eine Kondolenzliste ausgelegt worden, in der man den Toten des Festivals gedenken kann. Das belgische Königspaar unterbrach seinen Italienurlaub, um am Freitagnachmittag kurz nach Hasselt zu reisen, um sich in die Kondolenzliste einzutragen.

Inzwischen wurde bekannt, dass die geschädigten Besucher des Festivals vielleicht Anrecht auf eine Entschädigung durch den Katastrophenfonds des belgischen Staates haben. Das belgische Innenministerium prüft einen solchen Schritt derzeit.

Die Staatsanwaltschaft von Hasselt hat unterdessen mit Untersuchungen der Vorfälle begonnen. Dies ist bei Unfällen und anderen Vorkommnissen, bei denen Menschen ums Leben kommen, in Belgien eine übliche Vorgehensweise. Schon jetzt sei aber deutlich, dass das Unwetter für den Tod der fünf Festivalbesucher sei, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Seit Freitagmorgen bringen Sonderbusse und –züge die Festivalbesucher wieder nach Hause. Das eigentlich ausverkaufte Festival mit täglich rund 60.000 Besuchern wurde bekanntlich vollständig abgebrochen.