"Holt Autos auch mit Opfern von der Straße!"

Der Automobilverband Touring schlägt in der Zeitung Het Nieuwsblad vor, nach Unfällen so schnell wie möglich die Autowracks von der Fahrbahn zu schieben, auch wenn die Opfer noch in den Fahrzeugen sind.

Touring will mit diesem auffallenden Vorschlag langen Staus zuvorkommen, sagt Danny Smagghe.

"Bei leicht Verletzten oder bei verhängnisvollen Unfällen mit Toten sollte man die Autowracks lieber gleich wegholen. Damit könnte man einen Zeitgewinn von rund 6% des Zeitverlusts durch Stau  nach einem Unfall erzielen. Ziel ist, zunächst die kaputten Autos wegzuholen und erst danach die Schadenslage zu klären und auf die Staatsanwaltschaft zu warten. Wir schlagen vor, die Straße so schnell wie möglich frei zu machen und die Autos erst an eine andere Stelle zu bringen."

Dass für Touring die Bekämpfung der Staus wichtiger als Menschenleben sei, will Touring jedoch nicht auf sich sitzen lassen. "Das meinen wir doch gar nicht. Wir machen einen Vorschlag und der muss ausgearbeitet werden."

Touring betont, dass natürlich die Hilfsdienste vor Ort "in bestimmten Fällen und unter bestimmten Umständen" entscheiden müssten, so wie das im Ausland auch schon geschehe.

Der Vorschlag, in bestimmten Fällen die Autowracks mit samt den Unfallopfern in den Fahrzeugen von der Straße zu holen, so Touring, füge sich in ein Gesamtpaket von Vorschlägen, um die Stauprobleme in unserem Land zu lösen.

Der Automobilverband hat zusammen mit der Löwener Universität berechnet, dass wir in unserem Land alle zusammen 32 Milionen Stunden im Stau stehen. Das ist ein wirtschaftlicher Verlust von 610 Millionen Euro. Ein Viertel der Stauzeit soll auf Unfälle zurückzuführen sein.

"Sinnlos, unüberlegt und unverantwortlich"

Der Vorschlag von Touring stößt auf viel Kritik. Die Opfer von Unfällen müssen das Wichtigste sein, nicht die Zeitersparnis.

"Wenn ein Unfall passiert, sind die Sorge um das Opfer und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer das Wichtigste. Daran darf nicht gerüttelt werden", so die flämische Verkehrsministerin Hilde Crevits. Sie gibt jedoch zu, dass die Hilfsdienste noch besser zusammenarbeiten könnten, um Unfälle so effizient wie möglich abzuwickeln.

Luc Beaucourt, Chef der Notfallaufnahme des Universitätskrankenhauses in Antwerpen und bekannt wegen seines jahrelangen Kampfes gegen Wochenendunfälle, nennt den Vorschlag "sinnlos, unüberlegt und medizinisch unverantwortlich". "Das Medizinische muss Priorität haben. Das beste ist, das Opfer so schnell wie möglich aus dem Auto zu holen. Außerdem ist es auch so, dass die Krankenwagen viel schneller vor Ort sind als die Hilfs- und Abschleppdienste."