Erster Lehrstuhl für "Würdevolles Lebensende"

In der Freien Universität Brüssel (VUB) ist der weltweit erste Lehrstuhl für "Würdevolles Lebensende" gegründet worden. Die Schirmherrschaft dazu hat der humanistische Verband in Flandern und Brüssel, DeMens.nu, übernommen. Alle Bereiche rund um das Thema Lebensende werden hier besprochen.

Der Lehrstuhl für "Würdevolles Lebensende“ befindet sich in der Fakultät für Medizin und Pharmazie an der Freien Universität Brüssel (VUB - Foto oben) und soll alle Themenbereiche rund um das Lebensende beinhalten. Dabei soll vorurteilsfrei auch auf Optionen, wie die Sterbehilfe verwiesen werden können.

Das belgische Bundesparlament verabschiedete schon 2002 ein Gesetz zur Sterbehilfe, das Fachleute als das liberalste der Welt bezeichnen. Das mit deutlicher Mehrheit im Parlament beschlossene Gesetz erlaubt eine Tötung auf Verlangen für unheilbar kranke Patienten, die nicht in absehbarer Zeit sterben werden und auch für Menschen mit anhaltendem psychischen Leiden.

Der sterbewillige Kranke muss im Vorfeld einer Euthanasie eine mündliche oder schriftliche Willenserklärung abgeben, in der er versichert, dass ein solcher Schritt seinem freien Wunsch entspricht. Der Sterbehilfe erteilende Arzt muss sich in seinem Bereich sicher sein, dass der Patient tatsächlich leidet und dass, nach dem Stand der Medizin, sein Zustand unheilbar ist. Ein zusätzlicher Facharzt muss in jedem Fall zu Rate gezogen werden, um unabhängig auch sein Urteil abgeben zu können.

Die staatliche Ausschuss zur Kontrolle des Euthanasie-Gesetzes kam in einem 2006 verfassten Bericht zum Ergebnis, dass es keinerlei Anzeichen für Verstöße gegen das 2002 geschaffene Gesetz gab. Nichts wies demnach einen möglichen Missbrauch dieses Gesetzes hin. Auch diese Tatsache half, den neuen Lehrstuhl an der VUB einrichten zu können.

Logische Folge einer Entwicklung

Dass das Thema "Humanes Sterben“ zur Studienrichtung an einer medizinischen Fakultät werden kann, ist nur eine logische Folge eines sehr genau respektierten liberalen Gesetzes. Inzwischen wählten auch prominente Zeitgenossen den Freitod durch Sterbehilfe, angesichts eines unheilbaren Leidens. Unter anderem schied der an Alzheimer erkrankte weltberühmte Dichter und Autor Hugo Claus ("Der Kummer von Flandern“) auf diesem Weg aus dem Leben.