"Gute Arbeit!", so Armeechef über Belgier in Afghanistan

Zehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Beginn des Kampfes gegen islamische Fundamentalisten von Al-Kaida ist auch das belgische Militär noch immer in Afghanistan. 600 Belgier sind dort unter der von der Nato geführten Afghanistan-Schutztruppe Isaf im Einsatz. Die Belgier leisteten gute Arbeit, so der belgische Stabschef, Charles-Henri-Delcour und dennoch drücke der Schuh.

"Es ist richtig, dass wir auf belgischer Seite bislang kaum Schaden hatten. Wir haben bis heute keinen einzigen Toten", sagt General Delcour. "Auf der anderen Seite haben wir immer noch keinen Frieden in Afghanistan. Das hat mehrere Gründe. Einerseits haben wir die Operationen mit nicht genügend Mitteln begonnen. Daneben haben wir uns zu wenig auf die regionale Dimension konzentriert. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es auch in Pakistan Probleme gibt, unter anderem mit dem Nachrichtendienst. Außerdem wurde zu spät mit dem Wiederaufbau der afghanischen Polizei begonnen. Dort gibt es eine Armee, aber keine Polizei."

Auf die Frage des VRT-Journalisten Jens Franssen, ob die afghanische Armee stark genug sei, um das Land wieder selbst unter Kontrolle zu bekommen, antwortete General Delcour: "Das muss sie wohl. Wir werden nicht bis 2050 bleiben! Die afghanische Armee hat inzwischen genug Leute, um diese Aufgabe wahrzunehmen. Es ist nicht leicht für eine Besetzungsmacht, Kontrolle auszuüben. Die Briten und die Russen haben das nicht geschafft. Vielleicht gelingt es ja mit Hilfe der ISAF."

"Unterdessen floriert die Korruption in Afghanistan. In großen Teilen des Landes ist die Regierung einfach nicht präsent. Die Armee kann militärische Probleme lösen, also beim Aufbau einer Armee helfen, die Abwesenheit einer Regierung können wir jedoch nicht auffangen. Auf der anderen Seite bewegt sich das Land in die richtige Richtung. Es sind schon einige korrupte Gouverneure und Polizeichefs entlassen worden", so der Stabschef noch.

Nato muss aus Afghanistan, aber nicht wie Russen das gemacht haben

Ein weiteres Problem sind die vielen Waffen, die in dem Land zirkulieren. Nicht nur die Kriegsherren, auch die Bürgermilizen, die Armee, und die Polizei haben alle Waffen.

Delcour schließt einen Bürgerkrieg in 5 bis 6 Jahren nicht aus. "Alle Zutaten sind da. In einem Land mit so vielen Waffen ist das Risiko eines Bürgerkriegs groß."

"Das Problem ist, dass der Nato-Einsatz langsam kleiner werden muss und schließlich muss die Nato raus aus Afghanistan, aber nicht wie die Russen das gemacht haben."

"Haben wir nun einen Sieg errungen oder eine Niederlage? Ich denke, dass wir irgendwo dazwischen liegen. Ziel ist doch, hier abzuziehen und ein Land zurückzulassen, das mehr oder weniger selbständig ist", so Delcour.

Armeechef erstattet Besuch seiner Leute in Afghanistan

Der Armeechef General Charles-Henri Delcour, ist am Mittwoch für drei Tage nach Afghanistan geflogen. Dort besucht er die insgesamt 600 belgischen Armeeangehörigen, die dort stationiert sind. Verteidigungsminister Pieter De Crem, der ursprünglich auch an dem Besuch teilnehmen sollte, ist in Belgien verhindert.

Der Besuch fällt auf den zehnten Jahrestag der Anschläge von 9/11 in den Vereinigten Staaten, die in Afghanistan durch das Terrornetzwerk Al-Kaida vorbereitet worden waren.

General Delcour reiste erst nach Mazar-e-Sharif im Norden Afghanistans. Dort befindet sich das Kommando für die nördliche Region der durch die Nato geführten internationalen Schutztruppe ISAF. Er unterhielt sich unter anderem mit den Armeeverantwortlichen des Sektors, der fünf Mal größer ist als Belgien und in dem 120 Belgier stationiert sind.

Der Armeechef ist danach nach Kandahar in den Süden des Landes weitergeflogen. Dort sind sechs belgische Kampfflugzeuge F-16 und weitere 120 Armeeangehörige stationiert als Unterstützung aus der Luft für die ISAF-Bodentruppen.

Die weiteren Stopps des belgischen Armeechefs sind Kabul und  Kunduz (Nordafghanistan). Dort befinden sich zwei Ausbildungsteams für die Begleitung der afghanischen Armee.