Brüssels Flamen durch BHV im Nachteil

Die Spaltung des Wahlbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde ist nach Jahrzehnten des Streits für Flandern ein großer Erfolg. Doch für die Flamen in der Region Brüssel-Hauptstadt hat dieser Erfolg einen bitteren Nachgeschmack. Sie verlieren ihre Direktmandate in der Kammer.

Den flämischen Politikern in Brüssel liegt die seit langem von Flandern geforderte und jetzt per Kompromiss erreichte Spaltung von BHV schwer im Magen. Die beiden Brüsseler Abgeordneten und Bundesminister Guy Vanhengel (Open VLD) und Steven Vanackere (CD&V), der Haushalts- und der Außenminister der aktuellen (geschäftsführenden) Bundesregierung, holen ihre Stimmen nicht unbedingt nur in Brüssel, sondern in den bisherigen BHV-Kreisen Halle und Vilvoorde.

Jetzt, da Brüssel-Halle-Vilvoorde nach 48 Jahren gespalten wird, ist eine Listenverbindung mit Brüssel nicht mehr möglich und solche Stimmen werden nicht mehr zu den flämischen Stimmen in Brüssel hinzugezählt. Demnach drohen die Sitze in der Kammer der Brüsseler Flamen zu verschwinden. Ein hoher Preis für den BHV-Kompromiss, den Minister Vanackere (Foto) schweren Herzens aber bereit ist, zu bezahlen:

"Ich glaube, dass es in Flandern nicht viele Städte mit 60.000 Einwohnern gibt, doch dies ist in etwa die Zahl der Stimmen für flämische Parteien in Brüssel. Jetzt kann man sagen, dass wir gar keine Vertreter mehr im Parlament haben werden.“

Ob damit das Band zwischen Flandern und den flämischen Brüsselern durchgeschnitten ist, wie einige enttäuschte Lokalpolitiker glauben, wird sich erweisen. Befürchtungen, wonach die belgische Hauptstadt zu einer frankophonen Monokultur wird, scheinen allerdings etwas weit hergeholt zu sein.