Prozess Ronald Janssen: Erinnerungslücken?

Beim Serienmord-Prozess gegen Ronald Janssen (Foto) ging es am Freitag zur Sache: Der Angeklagte weinte, konnte aber nichts erklären. Er will sich nicht mehr erinnern können. Die Eltern seiner Opfer verließen den Gerichtssaal, weil sie es nicht mehr ertragen konnten.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen belgischen Serienmörder Ronald Janssen (40) ist es im Gericht zu erschütternden Szenen gekommen. Eltern von Opfern verließen am Freitag den Saal, als der Staatsanwalt die Anklageschrift verlas und das Leiden ihrer Kinder schilderte.

Der Lehrer und Vater zweier Töchter muss sich vor einem Schwurgericht in Tongeren verantworten. Er hatte vor dem Prozess zugegeben, zwei junge Frauen im Alter von 18 Jahren und einen 22-jährigen Mann aus sexuellen Motiven getötet zu haben.

Am Freitag äußerte sich Janssen im Prozess zum ersten Mal selbst zu den Straftaten . Er will sich nur noch bruchstückhaft an seine Taten erinnern können. Dennoch bestritt er die ihm zur Last gelegten drei Tötungen nicht. „Zu sagen, dass es mir Leid tut, ist zu einfach“, sagte er. Auf die Frage des Richters, ob er sich darüber klar sei, drei Menschen umgebracht zu haben, antwortete er: „Natürlich. Ich bin voller Reue. Warum habe ich mich nur niemandem anvertrauen können, als ich so voller Spannungen war?“

Erschütternde Szenen

Janssen brach vor Gericht in Tränen aus. Bei den Vernehmungen der Polizei habe er Vorgänge zugegeben, an die er sich nicht erinnern könne. „Ich war für alles angeklagt, man sagte mir, es gebe noch mehr, ich wusste nicht mehr, was ich glauben sollte“, sagte der Mann. „Deshalb habe ich beantragt, Hilfe von einem Psychiater zu erhalten.“

Janssen berichtete am Freitag über den Abend des 28. April 2007, als er laut Anklage die 18 Jahre alte Annick umbrachte. Er habe damals starke Rückenschmerzen gehabt und sei völlig betrunken gewesen. Auch die junge Frau sei stark angetrunken gewesen. Sie sei mit ihm nach Hause gegangen, wo es zu einem Streit gekommen sei: „Ich habe sie geschlagen. Ich habe nur noch eine dumpfe Erinnerung.“

Laut Anklage badete er später den Leichnam, um Spuren zu verwischen und versenkte den Körper beschwert mit 14,5 Kilo Beton in einem Fluss.

Bei der Verlesung der Anklageschrift kam es zu erschütternden Szenen. Eltern von Opfern verließen den Saal, weil sie die grauenhaften Details nicht ertragen konnten.

Janssens Anwalt Zvonimir Miskovic (Foto) argumentierte, die 18-Jährige sei Janssen offenbar freiwillig gefolgt. „Es gibt einen Unterschied zwischen Mord und Totschlag“, sagte der Anwalt. „Auch in dem Prozess muss dieser Unterschied gemacht werden.“

Ein Opfer-Anwalt wehrte sich gegen diese Darstellung. „Für die Eltern ist dieses schrecklich zu hören.“ Auch widerspreche es früheren Aussagen des Angeklagten, wonach er die 18-Jährige maskiert überfallen habe.

Die Anklage wirft Janssen vor, 2007 die 18-Jährige in seinen Wagen gezwungen, vergewaltigt und anschließend ermordet zu haben. Es geht auch um die Ermordung einer weiteren 18-Jährigen und deren 22 Jahre alten Freund. Janssen soll beide erschossen haben. Anschließend habe er versucht, die jungen Leute in deren Auto zu verbrennen.