Bruch im Bündnis FDF- MR

FDF, der bisherige radikal-frankophone Partner der französischsprachigen Liberalen MR, hat sich auf einem Parteikongress im Brüsseler Stadtteil Sint-Lambrechts-Woluwe von der MR getrennt. Fast alle Mitglieder stimmten für ein Ende des Kartells.
Olivier Maingain, Parteivorsitzender der FDF

Es kriselte schon eine ganze Weile zwischen den beiden Parteien, aber ausschlaggebend für diese Aufkündigung des Bündnisses am Sonntagabend war die Einigung zur Spaltung des Wahl- und Gerichtsbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde in der letzten Woche. Das ging der FDF, also der Partei von Olivier Maingain, zu weit.

Die FDF war empört darüber, dass die MR am Verhandlungstisch mit einer Spaltung von BHV einverstanden war und ein Abkommen aushandelte, in dem nicht mehr die Rede von einer geographischen Ausweitung Brüssels ist.

Am Sonntagabend verwarfen deshalb alle 350 Mitglieder einstimmig das erreichte Abkommen. Auch das Ergebnis der Abstimmung zur Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der MR war eindeutig. Bis auf drei Enthaltungen stimmten alle Mitglieder für ein Ende des Kartells. 

Die Spaltung von BHV sei inakzeptabel, wiederholte Maingain noch einmal nach der Sitzung. "Langfristig bedeutet das die Spaltung der sozialen Sicherheit und selbst des Landes."

MR-Präsident Charles Michel hat inzwischen mitgeteilt, dass er die Interessen der Französischsprachigen am Verhandlungstisch über die Staatsreformen weiter verteidigen werde.

In einer Pressemitteilung verteidigt der MR-Präsident Charles Michel (kleines Foto) die Abkommen, die bislang abgeschlossen worden sind und betont die Bedeutung dieser Abkommen für die Französischsprachigen.

"Nur am Verhandlungstisch können wir uns für die Rechte und Interessen zum Schutz der Französischsprachigen einsetzen", so Michel. Er betont zudem, dass Brüssel Dank der erzielten Vereinbarungen eine vollwertige Region werde, die eine Finanzierung erhalte, die ihrer regionalen, nationalen und internationalen Rolle gebühre. Die neuen Finanzierungsmechanismen "modernisieren und stabilisieren" auch den belgischen Staat, so Michel.

Das Kartell hat 18 Jahre gehalten.

FDF

Die FDF (Fédéralistes Démocrates Francophones; dt. Französischsprachige Föderaldemokraten) besteht schon seit fast fünfzig Jahren, aber ist nur in Brüssel erfolgreich und bei den Französischsprachigen in den flämischen Vorstadtgemeinden Brüssels. Eine ihrer wichtigsten Forderungen ist die geographische Ausweitung von Brüssel.

Die FDF hatte vor allem in den 70er Jahren starken Zulauf, als sich die Partei lautstark gegen die Einschließung Brüssels in Flandern einsetzte. Vor 18 Jahren ging die Partei ein Bündnis mit den französischsprachigen Liberalen, der damaligen PRL, ein. Olvier Maingain ist ihr populärster Politiker. In der Kammer der belgischen Regierung hat die FDF nur 3 Sitze.