Prozess Janssen: VRT-Journalisten ausgeladen

Michel Jordens (Foto), der Vorsitzende im Schurgerichtsverfahren gegen den mutmaßlichen Mehrfachmörder Ronald Janssen, hat vier Journalisten der VRT für zwei Tage aus dem Gerichtssaal in Tongeren verbannt. Der Grund liegt bei in den VRT-Mittagsnachrichten gezeigten Fotos einer Haussuchung bei dem Angeklagten.

Richter Michel Jordens hat erlassen, dass vier VRT-Journalisten von den Fernsehnachrichten und aus der Online-Redaktion an Prozesstagen keinen Zugang zum Verhandlungssaal erhalten.

Jordens ist verstimmt über die Tatsache, dass der Flämische Rundfunk am Donnerstag in den TV-Mittagsnachrichten Fotos von einer Haussuchung bei dem Angeklagten gezeigt hatte. Exakt diese Fotos wurden auch im Gerichtssaal gezeigt.

Weil ihm die Erklärungen unseres Hauses zur Herkunft dieser Fotos nicht ausreichen, schloss er die Berichterstatter für zwei Verhandlungstage aus: "Die Akkreditierungen der TV- und Online-Journalisten werden eingezogen. Um keinen Medienkrieg zu entfachen, beschränkt sich diese Maßnahme auf heute (Donnerstag) und Freitag.“

Das bedeutet, dass unseren Kolleginnen und Kollegen der Zutritt sowohl zu dem Gerichtssaal selbst, als auch zum Pressesaal im Gerichtsgebäude verwehr wird. "Man sollte einmal seine Moral in Frage stellen.", so der erboste Richter abschließend.

Richter holt weiter aus

Am Freitag holte Richter Jordens erneut gegen die VRT aus und behauptete, unser Haus zeige diese Fotos weiter in den Programmen und habe überdies hohe Summen für die Bilder bezahlt. Die Fotos seien auf listige Weise bei der VRT gelandet: "legal kann man an solche Bilder nicht kommen und illegal ist nichts gratis." Die Chefredaktion der VRT reagierte am Freitagmorgen und gab an, diese Behauptungen seien völlig aus der Luft gegriffen."

Formeller Protest von Seiten der VRT

In einer ersten Reaktion auf die eingezogenen Akkreditierungen der Journalisten protestiert die VRT, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, am Donnerstag formell gegen diesen Schritt und bedauert den Ausschluss der Kollegen der TV-Nachrichten- und Online-Redakteure.

Die Chefredaktion und der deontologische Rat des VRT -Nachrichtendienstes beruft sich auf das Gesetz vom 7. April 2005 zur Geheimhaltung von journalistischen Quellen und erinnert daran, dass lediglich Fotos gezeigt wurden, die bereits während des Prozesses in einer öffentlichen Sitzung im Gerichtssaal gezeigt worden waren. Auch dadurch hätten diese Bilder einen öffentlichen Charakter erhalten.

Die VRT legt Nachdruck auf die Feststellung, dass die Nachrichtenredaktion aus Respekt vor den Angehörigen bewusst keine Fotos der Opfer zeigt. Die in den Fernsehnachrichten am Donnerstag gezeigten Bilder, zum Beispiel von Putzbürsten für Waffen des Angeklagten, hätten jedoch journalistische Relevanz, widerlegen sie doch Aussagen des Angeklagten, er habe keine Feuerwaffen in seinem Besitz gehabt.

Die Chefredaktion des VRT-Nachrichtendienstes bittet den Prozessvorsitzenden, seinen Schritt zu überdenken. Das Journalisten auf diese Art und Weise an ihrer Arbeit gehindert werden, schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall für die Zukunft.