Immer mehr Bedürftige in Belgien

Immer mehr Menschen in Belgien sind auf die "Tafel" angewiesen oder müssen andere Formen der Nahrungsmittelhilfe beanspruchen. Das haben verschiedene Hilfsorganisationen festgestellt. Immer mehr Bedürftige kommen aus dem Ausland, aber auch die Belgier selbst haben Schwierigkeiten, um über die Runden zu kommen. Das schreibt die Zeitung De Morgen.

"Wir sehen, dass immer mehr Einheimische in Belgien in die Armut abrutschen", sagt Monica De Coninck vom Sozialamt in Antwerpen.

Es handelt sich um Menschen, die ihre Arbeit verloren haben und kein Arbeitslosengeld beziehen oder damit nicht über die Runden kommen, Menschen mit einer zu kleinen Rente, aber auch um allein Erziehende, die nach einer Scheidung finanzielle Probleme bekommen und sogar um Familien mit Kindern.

"Das liegt vor allem an der Wirtschaftskrise. Seit 2008 ist die Tendenz eindeutig. Menschen kommen nicht mehr mit ihrem Lohn oder ihrem Arbeitslosengeld aus. Die Mindestlöhne sind in den vergangenen zehn Jahren kaum gestiegen während die Grundkosten für Strom, Wasser und Gas stark gestiegen sind," erklärt De Coninck (kleines Foto).

"Immer mehr Menschen gehen zudem in Rente. Wenn sie mit einer Pesnion von 1.200 Euro auch noch eine Miete von 600 Euro zahlen müssen plus Energie und Wasser, dann bleibt nichts übrig. Die Mietpreise in Antwerpen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen." De Coninck schätzt, dass die Zahl der Menschen, die Essenspakete in Anspruch nehmen 2010 um 20% gestiegen ist.

Die verschiedenen Hilfsorganisationen kommen immer schwieriger an Nahrungsmittel, die sie verteilen können. Die Unternehmen verwalten ihre Vorräte immer ökonomischer. Dadurch gibt es weniger Überschüsse, die verteilt werden können. Außerdem sind die Spenden von Privatpersonen bei Sammelaktionen in Geschäften und Supermärkten zurückgegangen.

Tafel

Tafel ist die Bezeichnung für eine Hilfsorganisation, die einwandfreie überschüssige Lebensmittel aus der Wirtschaft an Bedürftige verteilt. In Deutschland sind die Tafeln im Bundesverband der deutschen Tafeln organisiert und meistens auf Ebene der Kommunen und Gemeinden aktiv (zum Beispiel Berliner Tafel oder Hamburger Tafel).

In Belgien heißen die Tafeln eigentlich Nahrungsmittelbank. In vielen anderen europäischen Ländern heißen solche Initiativen ebenfalls Food Bank.