10 Jahre Afghanistan - Auch Belgier sind dort

Am 7. Oktober ist es genau 10 Jahre her, dass der Krieg in Afghanistan begann. Dem belgischen Verteidigungsminister Pieter De Crem zufolge bringe der Nato-Einsatz dem Land Stabilität und sei Afghanistan auf dem richtigen Weg. Internationale Einrichtungen schätzen die Situation des Landes jedoch viel trauriger ein. Jedes Jahr steigt die Zahl der zivilen Opfer und die Zahl gefallener ausländischer Soldaten.

Vor genau zehn Jahren sind die Vereinigten Staaten in Afghanistan einmarschiert. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren sie auf der Suche nach Osama bin Laden und sie wollten die Taliban von der Macht vertreiben.

Mit Hilfe der Kriegsherrn der nördlichen Allianz wurden die Taliban schnell vertrieben. Die Amerikaner, die später Hilfe der internationalen Truppenmacht bekamen, haben das Land jedoch nicht wirklich unter Kontrolle bekommen. Inzwischen dauert der Krieg schon länger als der Krieg seinerzeit in Vietnam. Laut der Vereinten Nationen seien in den vergangenen 5 Jahren schon über 10.000 afghanische Zivislisten und 2.500 ausländische Soldaten, vor allem Amerikaner, gestorben.

Lebendes Kriegsporträt vor Brüsseler Börse

In einem Pressbericht der Friedensorganisation Vrede vzw heißt es, dass das Vorgehen der ISAF-Truppen dazu geführt habe, dass der Widerstand der Taliban zugenommen hat. Ihr Aktionsfeld erstrecke sich inzwischen bis auf Kabul.

Die Infrastruktur des Landes liege an vielen Orten in Schutt und Asche, die Korruption blühe und die Kindersterblichkeit gehöre zur höchsten weltweit. Die Armut sei flächendeckend, die Gewalt gegen Frauen habe zugenommen und die regionale Instabilität sei besorgniserregend. Auch habe die Opiumproduktion wieder zugenommen und die enorm hohe Zahl von Flüchtlingen sei inakzeptabel, heißt es weiter.

Der Krieg habe Belgien in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro gekostet. Die Vereinigten Staaten, die das größte Truppenkontingent stellen, mussten bereits über 460 Milliarden Dollar für diesen Krieg aufbringen. Die Friedensaktivisten sähen dieses Geld lieber in Entwicklungsprojekte fließen.

Die Organisation Vrede vzw hat deshalb für diesen Freitag eine Aktion geplant. Mehrere Friedensaktivisten schlüpfen in die Haut von NATO-Oberbefehlshabern und Opfern, um an den Treppen der Brüsseler Börse ein lebendes Kriegsporträt zu bilden. Mit Sirenen wollen sie auf die Opfer hinweisen. Passanten erhalten ein Stück wie die Organisation selbst sagt "unglücklichen " Geburtstagskuchen.

Für den Samstag, 8. Oktober, hat die Friedensbewegung eine Konferenz über Afghanistan mit politischer Debatte geplant.

Belgische Truppenstärke am Hindukusch

Im Augenblick sind insgesamt 626 belgische Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Rund die Hälfte von ihnen ist bei der Sicherung des Flughafens von Kabul im Einsatz, 100 weitere sind gemeinsam mit den Soldaten der deutschen Bundeswehr und anderen Nationen in Kundus stationiert und die weiteren Belgier liegen am Standort Kandahar, von wo aus Kampfbomber vom Typ F 16 eingesetzt werden.