Ein weiteres Umfrage-Hoch für die N-VA

Hätten am heutigen Freitag in Belgien Wahlen statt gefunden, würden die flämischen Nationlisten von der N-VA mit 35 Prozent weit über den anderen Parteien triumphieren. Das geht aus der Umfrage unseres Senders VRT und der Zeitung De Standaard hervor. Dieser Gewinn geht vor allem auf Kosten der rechtsextremen Partei Vlaams Belang, die weniger als 10 Prozent auf sich vereinen würde.

"Wenn heute Parlamentswahlen wären, welche Partei würden Sie bevorzugen?" lautete die Frage. Eine spontane Antwort wurde erwartet. Zur Auswahl standen die flämischen Parteien Groen! (Grüne), CD&V (Christdemokraten), N-VA (Nationalisten), SP.A (Sozialisten), Vlaams Belang (Rechtsextreme), Open VLD (Liberale), Lijst Dedecker (Rechtsliberale) und "andere Partei".

Das Ergebnis dieser Umfrage ist eindeutig: 35 Prozent der Befragten machte ein gültiges Kreuzchen bei der N-VA. Damit setzt die N-VA ihren Triumphzug fort: In der Umfrage von Juni schien die Partei mit 33,5 Prozent an ihre Höchstgrenze gestoßen zu sein, aber jetzt macht sie noch mit Leichtigkeit einen Satz darüber. In Vergleich zu den Wahlen vom Juni 2010 bedeutet das ein Zuwachs von 6,8 Prozent.

Die zusätzlichen Stimmen der N-VA kommen vor allem vom Vlaams Belang. Die Partei von Bart De Wever saugt den gesamten rechten Flügel des politischen Spektrums leer und läßt Vlaams Belang verwaist mit 8,2 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Anteil der Partei Vlaams Belang, den sie seit Bestehen dieser Umfrage geholt hat. Im Vergleich zu den Wahlen von 2010 verzeichnet der Vlaams Belang einen Verlust von 4,4 Prozent.

Die Wähler von Vlaams Belang sind auf der Flucht und ihre erste Zuflucht ist die N-VA. Ein Vergleich: 83 Prozent der Wähler dieser Umfrage, die 2010 die N-VA wählten, würden die Partei auch jetzt wieder wählen. Bei Vlaams Belang bleibt hingegen nur 56 Prozent der Wähler der Partei treu. 21 Prozent würde seine Stimme inzwischen lieber der N-VA geben.

Auch die Liste Dedecker würde kostbare Stimmen an die N-VA verlieren, wären heute Wahlen. Die Liste Dedecker würde nur noch unbedeutende 1,7 Prozent erzielen. Das wäre 2 Prozent weniger als bei den Wahlen von 2010.

Verhandelnde Parteien schneiden gut ab

Wer auch noch gut abscheidet sind die Parteien, die derzeit zusammen mit Regierungsbildner Elio Di Rupo von den französischsprachigen Sozialisten (PS) am Verhandlungstisch sitzen, um eine neue Staatsreform auf den Weg zu bringen.

Sie werden offenbar von den Wählern für ihre Fortschritte bei den Verhandlungen belohnt. Insbesondere die CD&V und Groen! würden, wären heute Wahlen, eine gute Figur machen. So verteidigt Groen! mit Schwung ihr letztes Umfrageergebnis von 9,2 Prozent. Das bedeutet ein Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber den Wahlen von 2010 und damit das beste Ergebnis, das die Partei jemals holte. Die CD&V macht einen Sprung von 17,5 auf 19,3 Prozent und liegt damit 1,7 Prozent über dem Ergebnis, das die Partei bei den letzten Wahlen erzielte.

Die SP.A und die Open VLD behalten ihr Status quo. Die Sozialisten müssen leichte Verluste im Vergleich zu den letzten Umfrageergebnissen hinnehmen (-0,2%) und finden sich bei 14,4 Prozent wieder. Das ist ein Verlust von 0,5 Prozent im Vergleich zu 2010. Der Stimmenrückgang der Open VLD wäre etwas größer (-2%). Die Partei bliebe die viertstärkste mit 11,9 Prozent.

Bei der Frage, ob eine Regierung auch ohne dem Wahlsieger N-VA gebildet werden sollte, gehen die Meinungen auseinander. 49 Prozent der Befragten findet, dass  die Regierung auch ohne die N-VA zustande kommen sollte. 46 Prozent findet das nicht und 6 Prozent weiß es nicht.

Das Vertrauen in die heutige Föderalregierung steht inzwischen hingegen auf einem sehr niedrigen Stand. Obwohl es danach aussieht, dass wir bald eine neue Regierung haben werden, hat das Vertrauen in die heutige scheidende Regierung abgenommen. Nur 38 Prozent vertraut der Regierung Leterme. Das ist 2 Prozent weniger als bei der letzten Umfrage. Das Vertrauen in die flämische Regierung (Foto) ist größer: 57 Prozent der Befragten vertraut ihr. Das ist der gleiche Anteil wie in der letzten Umfrage.

Umfrage

Befragt wurden 1.013 wahlberechtigte Personen.

Die Befragung fand in der Zeit vom 15. bis 30. September 2011 statt.

Bart De Wever immer noch auf Platz 1

Keine Überraschung ist wohl, dass der Vorsitzende der N-VA (neue flämische Allianz/Nieuw-Vlaamse Alliantie), Bart De Wever, aus der Umfrage der VRT als beliebtester aller flämischen Politiker hervor geht.

Bart De Wever (kleines Foto) ist schon seit 5 Umfragen die Nummer eins der politischen Hitliste. Bei der letzten Umfrage eroberte er die Herzen von 53 Prozent der Befragten und scheint damit den Gipfel erklommen zu haben. Bei dieser Umfrage äußern jedoch nur noch 45 Prozent ihre Symphatie für den Mann aus Mortsel. Allerdings bleibt er mit diesem Stimmenanteil immer noch an erster Stelle. Auf dem zweiten Platz folgen der fämische Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) mit 42 Prozent und auf dem dritten Platz Johan Vande Lanotte (SP.A) mit 31 Prozent. Er hat ein Prozent mehr als der scheidende Premier Yves Leterme (CD&V), der auf Platz vier rutscht.

Auf Platz fünf steht Frank Vandenbroucke (SP.A), der noch vor kurzem angekündigt hatte, dass er sich aus der Politik zurückziehen werde.

Eine Überraschung hat die Umfrage schließlich noch für uns: Die belgische Innenministerin Annemie Turtelboom (kleines Foto) von der Open VLD klettert acht Plätze nach oben und schwingt sich damit auf Platz sieben der Liste der 10 beliebtesten Politiker. Sie ist damit auch die erste Liberale auf der Beliebtheitsskala der ersten 10. Ihr folgt der Vorsitzende Alexander De Croo.

Die Plätze neun und zehn belegen übrigens nacheinander der Vorsitzende der flämischen Sozialisten, Bruno Tobback und der Vorsizende der flämischen Christdemokraten, Wouter Beke.