Sparplan der Bahn: 193 Züge fallen weg

Der Sparplan der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB ist amtlich. Der Verwaltungsrat der Bahn hat am Dienstagabend bekanntgegeben, dass im Zeitraum Dezember 2012 bis Dezember 2014 insgesamt 193 Züge gestrichen werden.

Fast 2 % der täglichen Bahnkunden sind von den Zugstreichungen betroffen. Für den einen mag das verschwindend gering sein, für die Betroffenen bringt dies Probleme mit sich, denn es trifft vor allem Bahnpendler, die an den so genannten Tagesrandzeiten frühmorgens oder später am Abend unterwegs sind. Mancher von ihnen kann wohl auf einen Bus umsteigen, doch in verkehrstechnisch schwach strukturierten Regionen ist dies zu solchen Tageszeiten nicht selten unmöglich.

Der Vorstand der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB gab seine Streich- und Sparpläne am Dienstagaband nach einer Marathonsitzung bekannt. Demnach werden Ende 2012 jene 170 Züge im Inlandsverkehr gestrichen, die am wenigsten ausgelastet sind, sprich, in denen weniger als 40 zahlende Reisende mitfahren. Ein Jahr später fallen dann 23 Züge mit internationalen Verbindungen weg. Davon betroffen sind offenbar Verbindungen zwischen Lüttich in Aachen in Deutschland und Züge von und nach Lille in Frankreich und Luxemburg.

Um welche Züge es sich im Einzelnen handeln soll, wollten die Bahnbosse noch nicht sagen, doch die eingesparten Verbindungen sind über das ganze Land verteilt.

Laut Bahnchef Marc Descheemaeker (Foto) sind für jeden gestrichenen Zug Alternativen über andere Verkehrsanbieter und wenn nicht, dann werden diese eingerichtet. Zudem erneuere die NMBS/SNCB gerade in großem Umfang ihren Fahrzeugpark: "Man liefert uns in den kommenden Monaten neue Fahrzeuge im Wert von 1,4 Milliarden €, Züge, die in unseren Werkstätten unterhalten werden müssen. Wenn wir mit unserem aktuellen Personalbestand eine größere Fahrzeugflotte unterhalten können, dann steigern wir unsere Produktivität und das bedeutet, dass in den Ateliers kein Personal wegfällt.“

Die Gewerkschaften bedauern die Pläne

Der Sparplan soll also nicht nur Geld einsparen, sondern die Bahn auf verschiedenen Ebenen auch effizienter machen. Das dies auch Stellenstreichungen nach sich ziehen wird, versteht sich von selbst. Doch, so die Bahnbosse eindringlich, soll es dabei nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Man wolle Personal, das die Bahn in natürlicher Fluktuation verlässt, unter Umständen nicht ersetzen.

Nach Ansicht der Eisenbahnergewerkschaften soll dies innerhalb der kommenden drei Jahre bis zu 1.000 Stellen betreffen. Der Bahnvorstand muss bis 2015 rund 110 Millionen € einsparen, um ab dann, laut Geschäftsführungsvertrag, erste schwarze Zahlen zu schreiben. Doch in den Augen von Jos Digneffe (Foto) von der sozialistischen Gewerkschaft ACOD ist etwas an diesen Zahlen faul: "13 Millionen € bringt die Streichung der 170 Inlandszüge. Also bleiben noch immer 97 Millionen € übrig. Ich bedauerte diesen Schritt und ich glaube auch nicht daran.“

Zu Streiks und anderen Aktionen sollte es vorerst nicht kommen, doch Gewerkschaftler Digneffe wollte am Mittwochvormittag nichts garantieren. Das belgische Bahnpersonal ist hinlänglich für seine spontanen Arbeitsniederlegungen und für wilde Streiks bekannt.

Am Nachmittag wurde bekannt, dass gut hundert bei der ACOD organisierte Bahnarbeiter die Gleise des Güterbahnhofs von Antwerpen Nord blockieren. Das bedeutet, dass seit den Nachmittagsstunden kein Güterzug den Antwerpener Hafen verlassen oder anfahren kann. Die erbosten Arbeiter der NMBS/SNCB Gütersparte Logistics wollen wissen, zu welchen Geschäftsbereich sie in Zukunft gehören werden. Seit diesem Jahr ist NMBS Logistics N.V. ein eigenständiges Unternehmen, was den Gewerkschaftlern nicht gefällt. Sie bevorzugen eine Angehörigkeit zur "alten Staatsbahn".