Dexia-Frankreich: Wer wusste was?

Nach Medienberichten hat der französische Ableger der Dexia-Gruppe Warnungen zu eventiellen Risiken von Seiten der EU-Kommission und des staatlichen Börsenwachhund ACP ignoriert und verschiedene Probleme auf den belgischen Bereich der Gruppe abgewälzt.

Vergangenes Jahr haben die EU-Kommission und die französische Börsen-Aufsichtsbehörde ACP die Dexia-Abteilung in Frankreich vor Risiken an den Finanzmärkten und vor unsicheren Aktien im Portefeuille gewarnt. Doch Dexia Frankreich hat diese Warnungen ignoriert und stattdessen offenbar Probleme auf die belgische Filiale der Gruppe abgewälzt.

Die belgischen Tageszeitungen De Standaard und Le Soir hatten Einblick in die beiden Schreiben an die Dexia. Daraus wird deutlich, dass die französische Kontrollbehörde sogar drohte, die Dexia unter Aufsicht zu stellen. Doch Crédit Local Dexia in Frankreich ignorierte wohl den Ernst der Lage.

Stattdessen versuchte man dort das eine Problem zu lösen, indem man andernorts neue Probleme schuf. Unter anderem wurde das System der so genannten "Zinsswaps“ angewendet, um die Bank zu schützen. Doch dieses Finanzinstrument zog mehrere Milliarden Bargeld aus der Dexia ab - alleine im vergangenen Monat September 46 Milliarden €.

Nach Ansicht der Wirtschaftsredaktion von De Standaard entstanden auf diese Weise "unkontrollierbare Risiken“. Die Verantwortlichen hätten diese "erwiesenermaßen dürftigen Modelle mit ihren systematischen Risiken unterschätzt.“

Diese Risiken wurden trotz Warnungen im französischen Bereich der Dexia-Gruppe eingegangen. Letztendlich wurden aus Dexia Belgien Milliardensummen abgezweigt, um in Frankreich Crédit Local Dexia zu stützen. Zur Information: Der belgische Staat hat Dexia Belgien vor zwei Wochen übernommen, um das Finanzinstitut zu retten!

Viele Fragen offen

Das viele Probleme von Dexia in Frankreich auf die belgische Filiale der Gruppe abgewälzt wurden, wirft viele grundsätzliche Fragen auf. Warum ließ Dexia Belgien dies mit sich machen? Was wussten die belgischen Kontrollbehörden davon? Was wussten Dexia-CEO Pierre Mariani und Jean-Luc Dehaene (Foto), der Vorstandsvorsitzende der Dexia davon und in welchem Maße sind die beiden dafür verantwortlich? Was wusste die belgische Regierung davon, die ja seit 2008 Vertreter in den Dexia-Vorstand entsendet, von diesen Risiken und den Problemen, die sich dadurch zusätzlich anhäuften?

Bisher wollen weder Jean-Luc Dehaene, noch Belgiens scheidender Premierminister Yves Leterme (CD&V) auf die Fragen reagieren. Auch Didier Reynders, Belgiens geschäftsführender Finanzminister sagte bis zum Donnerstagmorgen noch nichts dazu. Er teilte lediglich via Twitter mit, dass der Ankauf von Dexia durch die Regierung in der Nacht zum Donnerstag abgerundet worden sei. Luc Coene, der Gouverneur der belgischen Nationalbank, gab an, er wisse nichts von Schreiben der ACP und der EU-Kommission an die Dexia-Gruppe.