"Griechenland nur Anlass der Eurokrise"

Guy Verhofstadt, der Fraktionsführer der Liberalen im Europäischen Parlament, warnt davor, dass die Krise "nur noch schlimmer wird, solange keine echte Wirtschafts- und Steuerunion entsteht."

"Die griechischen Probleme sind doch nur der Anlass der Eurokrise. Die wahre Ursache liegt darin, dass es zwar eine Währung gibt, aber immer noch 17 Märkte", erklärt Verhofstadt in der Frühsendung des VRT-Radios.

Der ehemalige belgische Premier Verhofstadt ist schon sei Jahren ein Verfechter von mehr europäischer Integration. "Die Eurokrise wird weiter wüten, solange man keinen Schritt weiter in eine echte Union macht. Es muss eine vollwertige Wirtschaftsregierung entstehen. Das ist keine langfristige Maßnahme. Sobald die europäischen Staats- und Regierungschefs den Aufbau zu einer Wirtschafts- und Steuerunion ankündigen, werden die Märkte sich beruhigen."

Verhofstadt hält das griechische Referendum für falsch. "Das hat wenig mit Demokratie zu tun. Papandreou spielt ein politisches Spiel, um der Opposition entgegenzukommen. Wenn jedoch ein Haus abbrennt, fragen Sie doch auch nicht erst die Umherstehenden, ob Sie löschen dürfen und wer löschen darf?" Ein griechisches Ausscheiden aus der Eurozone verschlechtere die Probleme nur noch mehr, betont Verhofstadt. "Dann kann es gleich mit dem Sturm auf das nächste Land weitergehen."

"Ein Referendum, Europa, das die Griechenlandhilfe einfriert, ... Ich höre nur schlechte Ideen", so Verhofstadt pessimistisch.