Die Sabena ging vor 10 Jahren in Konkurs

Am 7. November 2001, vor 10 Jahren, ging die Sabena nach fast einem Jahrhundert Geschichte in Konkurs. Bei dem ehemaligen Pionier der zivilen Luftfahrt in Europa verloren damals rund 13.000 Beschäftigte ihren Job (Foto).

Dieser größten Firmenpleite in der belgischen Geschichte ging jedoch eine wunderbare Zeit zuvor, denn die Sabena trug einst einen weltweit klingenden Namen. Ein Blick zurück in die Geschichte.

Fast ein Jahrhundert lang war die Sabena in der Luftfahrt ein Begriff und die Nachricht vom Konkurs im November 2001 ging um die Welt. Dieser Konkurs war eine Folge von Jahrzehnte langer Misswirtschaft, politischer Ignoranz und finanzieller Plünderung durch Partnergesellschaften.

Die Sabena - was für Société Anonyme Belge d’Exploitation de la Navigation Aérienne steht - wurde am 23. Mai 1923 als staatliche belgische Fluglinie gegründet. Sie ging aus der einige Jahre zuvor gegründeten SNETA hervor und führte ab Anfang 1924 erste internationale Flüge mit europäischen Zielen durch.

Von Anfang an jedoch war die Sabena auch Fracht- und Reisefluggesellschaft auf dem afrikanischen Kontinent. Hier hatte sie den Auftrag, die Städte und Zentren der belgischen Kolonien im zentralen Afrika miteinander zu verbinden. Erste Fluglinien wurden zwischen Leopoldville - dem heutigen Kinshasa, Lisala und Stanleyville - heute Kisangani genannt - im Kongo eingerichtet.

Flüge in die Kolonien

Aber bereits 1925 gab es auch schon die ersten Flüge zwischen Belgien und der Kolonie Kongo - ein absolutes Abenteuer in den Pionierzeiten der Fliegerei. Im späteren kommerziellen Betrieb der Sabena im Kongo wurden Maschinen von de Havilland und Handley Page mit jeweils 10 Sitzplätzen für die Fluggäste eingesetzt.

In den Anfangstagen der Fliegerei dauerte eine Flugreise von Belgien in die Kolonien noch 51 Tage (!). Als die Sabena in den 1930er Jahren bessere Überflugrechte aushandeln konnte, dauerte diese Reise nur noch 4 Tage. Die Flugzeuge für die Linien innerhalb der Kolonien wurden damals noch auf dem Wasserweg geliefert.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs kam der Flugreiseverkehr in Europa und nach Übersee praktisch völlig zum Erliegen. Nur die Sabena schaffte es, den Flugverkehr zu und in den afrikanischen Kolonien in diesen Jahren zumindest teilweise aufrecht zu erhalten.

Nachkriegszeit und der Verlust der Kolonien

Nach dem Krieg und nach der Besetzung Belgiens durch die Deutschen begann die Sabena 1946 wieder mit Flügen innerhalb Europas. Dazu nutzte sie anfangs Flugzeuge des berühmten Typs Douglas DC3 "Dakota“, die die USA den europäischen Fluggesellschaften zur Verfügung stellte.

Im Juni 1947 flog zum ersten Mal ein Sabena-Flugzeug nach New York, womit auch der Linienverkehr über den Atlantik begann. In den 1950er Jahren kam dann die große Modernisierungswelle.

Die Kongo-Linien blieben immer eines der wichtigsten Standbeine der Sabena, doch als die Kolonien 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurden, blieb der belgischen Fluggesellschaft nur noch wenig von diesem Geschäft.

Nachdem die Sabena in aller Eile Tausende Belgier aus dem Kongo evakuieren konnte, übernahm die neue Air Congo die Geschäfte. Der Sabena blieb nach der "Normalisierung“ der Beziehungen Belgiens mit der ehemaligen Kolonie nur noch 30 % des früheren Angebots.

Pionier im Amerika-Geschäft

Durch die neuen Düsenflugzeuge änderte sich in der Fliegerei alles. Auch hier legte die Sabena wieder Pioniergeist an den Tag, denn nach dem Wegbrechen eines großen Teils des Kongo-Geschäfts galt es neue Ziele zu suchen.

Die Sabena orderte einige Maschinen des Typs Boeing 707 und war die erste europäische Fluggesellschaft, die einen Flug mit einem Düsenjet in die USA anbot.

Noch bis in die 1970er Jahre hinein dominierten bei der Sabena die Maschinen des amerikanischen Herstellers Boeing, doch 1984 übernahm die Gesellschaft den ersten Airbus aus europäischer Gemeinschafts-Konstruktion.

Schwere Zeiten ab den 1990er Jahren

In den 1990er Jahren nahm der Wettbewerb im Flugverkehr immer mehr zu und die Sabena war längst nicht mehr die große belgische Airline von einst. Mit neuem Namen - Sabena World Airlines, neuem Design und neuen Partnern sollte eine neue Zeit anbrechen.

Eine erste Kooperation mit Air France, die 1993 eine Minderheitsbeteiligung übernahm, wurde nach nur kurzer Zeit wieder aufgelöst. 1995 stieg dann die Swissair mit einer Beteiligung von 49 % bei der Sabena ein - wie man heute weiß, der Anfang vom Ende.

Im Zuge dessen wurde die gesamte Flotte der Sabena von Boeing auf Airbus umgerüstet und Schulden häuften sich ohnegleichen an. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf New York und Washington, die der Luftfahrt weltweit einen schweren Schlag zufügten, brach auch die Sabena zusammen. Die Swissair, die auf Kosten der Sabena fürstlich lebte, schuldete dem belgischen Partner zu diesem Zeitpunkt 84 Millionen Dollar.

Der Konkurs

Am 2. Oktober 2001 meldete die Sabena Zahlungsunfähigkeit an. Die Flugzeuge mussten am Boden bleiben und einen Tag später musste auch Gläubigerschutz beantragt werden. Die drei Wochen, die der Sabena nun übrig blieben, um neue Partner oder Finanzquellen zu finden, reichten bei weitem nicht aus.

Zudem war die Politik in Belgien nicht länger Willens, in dieses Fass ohne Boden Geld zu stecken. Am 6. November 2001 wurde die Liquidität der Sabena eröffnet und einen Tag später musste Konkurs angemeldet werden. Für die rund 13.000 Mitarbeiter der Fluggesellschaft am Boden und in der Luft bedeutete dies das Aus für ihren Job. Nur wenige von ihnen fanden einen neuen Arbeitsplatz bei der Nachfolge-Gesellschaft SN Brussels Airlines. Swissair, dem ehemaligen Partner der Sabena, erging es nicht besser. Unter dem neuen Namen Swiss ging auch dieses Unternehmen, das die Sabena regelrecht ausgeplündert hatte, Pleite.

Danach hatten die Kuratoren lange das Sagen. Christian Van Buggenhout (Foto), der Kurator der Sabena, fand immer mehr Beweise für die Schuld der Schweizer an dem Drama, auch wenn sich die Politik in Belgien nicht von allem freisprechen konnte. Van Buggenhout forderte von Swiss 2,4 Milliarden € Schadenersatz und der belgische Staat als ehemaliger Anteilseigner noch einmal eine Milliarde.

Swissair schuld am Sabena-Konkurs

Nach einem Urteil des Brüsseler Berufungsgerichts im Januar 2011 trägt die ehemalige Schweizer Fluggesellschaft Swissair die Verantwortung für den Konkurs der Sabena vor 10 Jahren. Die Swissair hatte einen Monat vor dem Konkurs eine vertraglich vereinbarte Kapitalerhöhung verweigert.

Nach Ansicht der Brüsseler Richter konnte die belgische Fluggesellschaft nicht mehr gerettet werden, nach dem diese Kapitalerhöhung ausgeblieben war. Dazu hatte sich die Swissair bei der Besiegelung der Partnerschaft mit der Sabena vertraglich verpflichtet.

Dem Kuratoren der Sabena, Christian Van Buggenhout, wurde nach diesem Berufungsurteil einen Schadenersatz von 18,3 Millionen € von Seiten der Swissair zugesprochen. Ursprünglich hatte die Konkursverwaltung der Sabena Forderungen von 2,4 Milliarden € gestellt. Durch das vorliegende Urteil konnten weitere Schadenersatzforderungen formuliert werden.

Der belgische Staat, der als Nebenkläger und geschädigter Gläubiger in diesem Verfahren auftrat, musste sich mit 300.000 € Schadenersatz zufrieden geben. Belgien hatte eigentlich 1 Milliarde € eingefordert, um damit unter anderem den damals vereinbarten Sozialplan nach dem Konkurs mit vielen hunderten verlorenen Arbeitsplätzen finanzieren zu können. Doch hier vertrat das Brüsseler Berufungsgericht die Ansicht, dass Belgien nur als Anteilseigner, nicht aber als Staat handelte.

März 2011 - Verfahren in Den Haag eingestellt

Belgien verzichtet Ende März 2011 darauf, eine Klage gegen Swissair in der Sabena-Frage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag fortzusetzen. In Zürich urteilte ein Gericht diametral anders als ein Rechtspruch des Brüsseler Berufungsgerichts Anfang des Jahres.

Belgien hatte die Klage in Den Haag am 21. Dezember 2009 eingereicht. Doch knapp vier Monate später setzte unser Land den Internationalen Gerichtshof in Den Haag über den Verzicht auf eine Weiterführung des Verfahrens in Kenntnis.

Belgien warf den Schweizern damals vor, das Bundesgericht habe in seinem Urteil vom 30. September 2008 erklärt, die Schweiz würde die bevorstehende Entscheidung der belgischen Gerichte zur Schadenersatzpflicht der SAirGroup und SAirLines beim Konkurs von Sabena nicht anerkennen.

Allerdings hatte das Schweizer Bundesgericht gar nicht über die Anerkennung eines bestehenden belgischen Urteils entschieden. Am 18. Februar 2011 machte die Schweiz daher geltend, dass die Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs und die Prozessvoraussetzungen nicht gegeben seien, denn es bestehe kein Rechtsstreit zwischen Belgien und der Schweiz.

Inzwischen sind sowohl die Sabena-Nachfolgegesellschaft SN Brussels Airlines, als auch Swiss, die frühere Swissair, in der deutschen Lufthansa aufgegangen (Foto).