Maeterlinck: Nobelpreis vor 100 Jahren

Vor 100 Jahren, am 9. November 1911, hat der belgische Schriftsteller Maurice Maeterlinck als bisher einziger Literat aus unserem Land den Nobelpreis für Literatur erhalten. Der aus Gent stammende Flame schrieb in französischer Sprache.

Seit dem ist keinem Schriftsteller aus Belgien mehr dieser Preis zuteil geworden. Weder Louis Paul Boon, noch der mehrmals in der engeren Auswahl gewesene Hugo Claus hat einen Nobelpreis für Literatur in Empfang nehmen dürfen.

Maurice Maeterlinck (1862-1949) kam als Sohn eines betuchten Notars in einem Genter Haushalt zur Welt, in dem die französische Sprache gesprochen wurde. Maurice ging bei den Jesuiten im Genter Sankt-Barbara-Kolleg zur Schule, wo er bereits durch sein enormes Sprachentalent auffiel. Danach studierte er Jura, um seinem Vater in die Fußstapfen eines Notars zu folgen. Doch er versagte und es wurde weder ein Anwalt, noch ein Notar aus ihm.

1890 hingegen erlangte er Bekanntheit durch die Veröffentlichung des Theaterstücks "La Princesse Madeleine“, dass er auf eigene Verantwortung drucken ließ. Dieses Stück kam in die Hände des französischen Kulturjournalisten Octave Mirbeau, der es in einem Beitrag für Le Figaro in den Himmel hob.

In seiner flämischen Heimatstadt Gent selber kam Maeterlinck mit seiner literarischen Arbeit und seinen in Französisch verfassten Stücken hingegen nicht gut an und galt als Außenseiter. Doch international genoss er hohes Ansehen. Später inspirierte sich Oscar Wilde an Maeterlincks "La Princesse Madeleine“ für sein Werk "Salomé“.

Symbolismus und mystische Züge

Maurice Maeterlinck wiedersetzte sich in seinen Theaterstücken den damals geltenden Konventionen. Seine Werke waren voll von Symbolik und Mystik und unterschieden sich in Form und Inhalt vom damals angesagten naturalistischen Theater, das eher von der Virtuosität der Schauspieler lebte.

Seine Stücke waren langsam und poetisch und seine Schauspieler schienen beinahe schlafwandlerisch durch die Werke zu schweben. Alles lief auf eine Traumwelt hinaus, in der eigentlich wenig geschah. Und doch fand dies seine Anhänger. Maeterlincks "Pelléas und Mélisande“ wurde nach der Bearbeitung von Claude Debussy zu einer heute noch berühmten Oper und "L‘Oiseau Bleu - Der blaue Vogel“

Maeterlincks poetisches, märchenhaftes aber auch statisches Werk fand viele Liebhaber und es beeinflusste Dichter und Schriftsteller wie den französischen Dramaturgen Paul Claudel oder den amerikanischen Schriftsteller und Essayisten Richard Yates.

Doch im Laufe seines Lebens baute der eher antiklerikale und sozialistisch eingestellte und bescheidene Maurice Maeterlinck langsam ab. Lange lebte er mit der französischen Mime Georgette Leblanc in verschiedenen Villen in Frankreich. Eine Zeit lang lebten die beiden aber auch in einem verlassenen Benediktinerkloster in der Normandie. Wenn sich Maeterlinck langweilte, flitzte er oft in Mönchskutten verkleidet auf Rollschuhen durch die langen Gänge des Klosters…

Gestörtes Verhältnis zu Flandern?

Maurice Maeterlinck stammte aus Gent, sprach den Dialekt seiner Heimatstadt, war aber in einer frankophonen und bourgeoisen Umgebung aufgewachsen. Er las nur ein einziges Buch in Niederländisch pro Jahr, nämlich immer das neueste Werk seines etwa gleichaltrigen Freundes aus Gent, Cyriel Buysse. Doch zu Flandern selbst hatte er ein gespaltenes Verhältnis.

Einmal griff Maeterlinck in einem Beitrag zur "Schlacht der Goldenen Sporen“, die den Ursprung für die flämische Emanzipation legte, die Flamen und ihre "kaum verständliche Sprache“ heftig an. Damit zielte er vor allem auf die flämischen Nationalisten mit ihrer starren Haltung ab, nicht aber auf die Sprachgewandtheit seiner literarischen Freunde und Kollegen. Aber, damit machte er sich in Flandern seinerzeit unbeliebt.

Als es dann zwischen Maurice Maeterlinck und Cyril Buysse zu einer Art "Kulturkampf“ in Sachen Universität Gent kam, drohte die Freundschaft der beiden zu zerbrechen. Buysse unterstützte die Tatsache, dass die Universität seiner Heimatstadt von der französischen Sprache auf Unterrichte in der niederländischen Muttersprache der heimischen Studenten wechselte, doch Maeterlinck hielt davon gar nichts.

Als das Nobelpreis-Komitee 1911 Maurice Maeterlinck mit dem Literaturpreis auszeichnete, wurde dies in Belgien ignoriert. Hier wurde Emile Verhaeren favorisiert, ein Freund des belgischen Königshauses. Der eher anti-klerikale Maeterlinck genoss in seinem Geburtsland kein Ansehen und man ging zur Tagesordnung über, als wäre nichts geschehen.

Von belgischem Chauvinismus war in dieser Frage nichts zu bemerken, wie VRT-Kulturjournalist Johan De Haes für Cobra.be zum 100. Jubiläum des Nobelpreises für Maurice Maeterlinck schreibt. Maeterlinck selbst hatte sich auf Grund seiner zurückhaltenden Bescheidenheit vor der Zeremonie zur Verleihung des Nobelpreises in Stockholm gedrückt…