Die Züge sind noch seltener pünktlich

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Im Oktober ist die Pünktlichkeit der Züge in Belgien weiter gesunken. Wenn man die gestrichenen Züge mitzählt, dann waren im Oktober lediglich 83,3 % aller Züge nach Fahrplan unterwegs.

Im vergangenen Sommer lag die Pünktlichkeit der Züge noch bei 89,4 %. Infrabel, der Gleisnetzbetreiber der belgischen Bahn, gibt an, das Auf und Ab der Pünktlichkeit sei saisonbedingt, denn im Oktober 2010 sei der gleiche Pünktlichkeitsgrad gemessen worden.

Von der seit langem angekündigten Verbesserung der Fahrplanmäßigkeit in Belgien ist noch nicht viel zu spüren, so die Fahrgastverbände. Ein Drittel der Zugverspätungen wird mit bahnfernen Faktoren begründet: Selbstmorde, Unfälle mit Autos an Bahnübergängen und in erheblichem Maße Kabeldiebstähle.

Solange die Preise für Kupfer so hoch seien, so Infrabel-Sprecher Bart Crols, solange habe man mit einer derartigen Kriminalität zu kämpfen, denn man könne nur schwerlich den gesamten Bahnkörper Tag und Nacht bewachen.

Die anderen Probleme, so Infrabel weiter, seien immer wieder die gleichen: Die Bahnholding fahre mit teilweise veraltetem Material und die alten Lokomotiven und Waggons - die teilweise über 40 Jahre alt sind (auch die aus den 1980er und 1990er Jahren wurden auf Verschleiß gefahren und sind ausgelaugt) - seien nun Störanfällig.

Besserung nur bedingt in Sicht

In den kommenden Wochen und Monaten wird die NMBS/SNCB neue Lokomotiven und Nahverkehrstriebwagen in Dienst stellen und ältere Maschinen und Triebzüge wandern auf die Abstellgleise. Allerdings werden diese Fahrzeuge mit jahrelanger Verspätung ausgeliefert.

Auch bei den Infrastrukturarbeiten werden die meisten Investitionen nicht fristgerecht abgeschlossen. Oftmals liegen Verspätungen von Reisezügen an Langsamfahrstellen durch Gleisbauarbeiten. Schnellzüge aus Richtung Küste und Brügge werden zum Beispiel zwischen Gent und Brüssel durch die Arbeiten an der Verbesserung der Anbindung des Hinterlands an den Hafen von Zeebrügge aufgehalten. Solche Verspätungen sind dann meist bis hinter Lüttich und der deutschen Grenze spürbar.