Demo: Im Namen der Gewerkschaften

In Brüssel demonstrieren am heutigen Freitag die drei großen Gewerkschaften des Landes gegen das Sparpaket der neuen Regierung Di Rupos. Ihrer Ansicht nach seien die Kosten nicht gerecht verteilt und der Bürger müsse die Rechnung für die Krise zahlen, die er nicht verursacht habe.

Gegen 10.30 Uhr beginnt die Demonstration der christlichen, sozialistischen und liberalen Gewerkschaft, die über die Nord-Süd-Achse durch Brüssel führt.

Den landesweiten Streik bekommen wohl vor allem die Pendler zu spüren, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Die Staus auf den Straßen scheinen hingegen nicht viel schlimmer zu sein als an anderen Tagen.

So ist der Bus-, Straßenbahn- und U-Bahnverkehr schwer beeinträchtigt. In der Provinz Antwerpen fährt nur 30 Prozent der Busse. In der Stadt Antwerpen fährt kaum ein Bus.

In der Provinz Limburg fäht rund die Hälfte der Busse. In Ostflandern  sind in den Gegenden Dender und Waasland sowie in den flämischen Ardennen rund 60 Prozent der Busse im Einsatz. In Gent folgen die Straßenbahnlinien 1 und 4 sowie die Buslinie 3 dem Sonntagsfahrplan. Zunächst werden keine anderen Strecken in Gent bedient.

In Flämisch-Brabant haben Dilbeek, das Pajottenland und der Nordwesten der Provinz die größten Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

In Westflandern fahren die öffentlichen Verkehrsmittel nur in der Gegend Roeselare nach Fahrplan, heißt es bei der öffentlichen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn. In Ostende und Brügge fährt die Hälfte der Busse. In Kortrijk fahren Dreiviertel der Busse.

In Brüssel fließt öffentlicher Verkehr besser als erwartet

In Brüssel funktioniert der U-Bahn- und Straßenbahnverkehr am heutigen Freitag besser als erwartet. So fährt auf der Linie 1 etwa alle 10 Minuten eine U-Bahn zwischen dem Westbahnhof und Montgomery. Auf der Linie 2 fährt alle 15 Minuten eine U-Bahn.

Vier Straßenbahnlinien sind im Einsatz. Die Zahl der Straßenbahnen, die trotz Streik fahren, ist offenbar höher als am Donnerstag von der öffentlichen Nahverkehrsgesellschaft MIVB angekündigt worden war. 

Die Busse bedienen am heutigen Freitag vierzehn Strecken (12, 13, 14, 29, 43, 46, 48, 49, 60, 63, 71, 84, 87 und 95) in Brüssel, allerdings mit unterschiedlichen Wartezeiten. Im Durchschnitt hat 70 bis 80 Prozent der Busse dieser Linien den Busbahnof verlassen.

Protest gegen Sparpläne der neuen Regierung

Viele Arbeitnehmer, die bei der Demonstration in Brüssel mitlaufen, arbeiten im Metall- und Textilsektor. Sie fürchten um ihren Vorruhestand. Im Zuge der Sparpläne sollen zum Beispiel die Frührenten erschwert werden. Auch andere Sektoren protstieren. Im öffentlichen Dienst werden Arbeitsplätze abgebaut und im Gesundheitssytem muss ebenfalls mit Abstrichen gerechnet werden. Das Arbeitslosengeld soll schneller gekürzt werden.

Die Gewerkschaften befürchten außerdem, dass die jetzt gerettete Lohnindexierung, also die Kopplung der Löhne an die Lebenshaltungskosten, bei der nächsten Gelegenheit wieder in Frage gestellt werde.

Aufgrund des Generalstreiks wird auch die Post nicht überall ausgetragen. Da einige Transportbetriebe streiken, gerät in den Provinzen Antwerpen und Limburg rund ein Fünftel der Post nicht in die örtlichen Verteilerzentren.

In Gent ist nur etwa die Hälfte der städtischen Kinderhorte geöffnet und auch der Hausmüll wird nicht überall abgeholt.