Belgier kauften massiv Staatsanleihen

Mitten in der Finanzkrise haben die Belgier neue Staatsanleihen im Wert von über fünf Milliarden Euro gezeichnet. Das wurde am Freitag nach Ende des Verkaufs mit Hinweis auf erste Zahlen der Zentrale für Schuldenverwaltung mitgeteilt.

Der hohe Betrag war von der Regierung nicht erwartet worden - diese hatte nur mit ein paar hundert Millionen Euro gerechnet.

Belgien ist hoch verschuldet und musste in den vergangenen Wochen mit gestiegenen Risikoprämien an den Finanzmärkten kämpfen.

Der Verkauf der Schuldscheine war von dem scheidenden christdemokratischen Premier Yves Leterme initiiert worden, der Anfang nächster Woche vom neuen sozialistischen Premier Elio Di Rupo abgelöst wird.

Wenn die Finanzmärkte nicht mitspielen, müssen halt die Bürger ran, so die Idee. Weil Belgien im Sog der Schuldenkrise horrende Zinsforderungen für neue Anleihen fürchten musste, bat der scheidende Regierungschef Leterme die Belgier um ihr Erspartes - und die greifen deutlich beherzter als gedacht zu.

Vertrauensbeweis der Bürger

Mitten in der Finanzkrise haben die Belgier also völlig unerwartet neue Staatsanleihen im Wert von über fünf Milliarden Euro gezeichnet.

Ende November hatte Leterme (Foto) an seine Mitbürger appelliert, sich an der Finanzierung der hohen Staatsschulden zu beteiligen. Die Schuldverschreibungen versprachen bei Laufzeiten von drei, fünf und acht Jahren Renditen von 3,5 Prozent, 4,0 Prozent und 4,2 Prozent.

Ende November hatte die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit Belgiens gesenkt und damit in einer hoch nervösen Phase an den Finanzmärkten einen starken Anstieg der Zinssätze ausgelöst. Anleihen mit dreijähriger Laufzeit kletterten in der Spitze auf 5,48 Prozent, rund zwei Prozentpunkte über dem Zinssatz, den Belgien nun für vergleichbare Laufzeiten anbietet. Papiere mit achtjähriger Laufzeit brachten zeitweise 5,7 Prozent Rendite. Mittlerweile hat sich die Lage am Bondmarkt für Belgien jedoch wieder tendenziell entspannt.