Lüttich: Traurige Bilanz am Tag danach

Die Zahl der Opfer des Attentäters von Lüttich ist weiter gestiegen. Am Dienstagabend erlag ein 17 Monate altes Kleinkind seinen schweren Verletzungen. Nordine Amrani hat auch, wie erst jetzt bekannt wurde, vor seinem Blutbad die Haushälterin seiner Nachbarin umgebracht.

Die Zahl der Toten nach dem Blutbad im Stadtzentrum von Lüttich ist auf 5 angestiegen. Zunächst kamen 3 Menschen ums Leben, inklusive des Attentäters, der nach seinem Gemetzel eine Waffe gegen sich selbst richtete. Am späten Dienstagabend starb ein 17 Monate altes Kleinkind an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

Eine 75jährige Dame, die bei der Schießerei schwer verletzt wurde, ist irrtümlich als tot gemeldet worden. In Wirklichkeit, wie sich später herausstellte, liegt sie schwer verletzt in einer Klinik. Sie soll aber klinisch tot sein.

Während einer Haussuchung in der Wohnung des 33 Jahre alten Attentäters fanden die Ermittler am Dienstag zudem die Leiche einer 45jährigen Frau aus der Ortschaft Vottem in der Nähe von Lüttich. Sie war die Putzfrau der Nachbarin von Nordine Amrani. Die Polizei fand heraus, dass der Waffenfreak die Frau unter dem Vorwand, er habe Arbeit für sie, in seine Wohnung lockte, um sie dort anzugreifen und zu töten. Die Leiche der Frau wurde in einer Werkstatt gefunden, in der Amrani sein Waffenarsenal verborgen hielt.

Mehrere frankophone Tageszeitungen meldeten in ihren Mittwochsausgaben, dass der Attentäter am Tag vor seiner Bluttat eine hohe Summe Geld auf das Konto seiner Freundin überwiesen haben soll. Inzwischen wurde die Leiche des Mannes einer Autopsie unterzogen.

Die Zahl der Verletzten wurde am Mittwochmorgen bnei einer Pressekonferenz der Lütticher Generalstaatsanwältin Danielle Reynders (Foto) mit 125 angegeben. Darunter sind allerdings auch jene Betroffenen, die im Zuge des Attentats mit schweren Schocks in Krankenhäuser eingewiesen wurden. 6 der Verletzten befinden sich derzeit noch in Lebensgefahr.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich Amrani beim Versuch, eine weitere Granate zu zünden, selbst verletzt. Daraufhin habe er sich dann mit einer Kugen ins Gesicht erschossen.

König Albert und Premier Di Rupo vor Ort

Am Dienstagabend begaben sich König Albert II. und Königin Paola nach Lüttich. Sie besuchten den Ort des Geschehens, die Ermittler, die ihr Lager im nahegelegenen Justizpalast aufgeschlagen hatten und auch einige der Verletzten in verschiedenen Kliniken der Stadt.

Auch Premierminister Elio Di Rupo (PS) und Innenministerin Joëlle Milquet (CDH) machten sich in die Ardennenmetropole auf. Das Di Rupo als eine seiner ersten Amtshandlungen gleich eine Trauerrede für die Opfer eines brutalen Attentats halten musste, war sicher kein leichter Schritt.

Di Rupo sagte, dass man eine solche Tat nicht in Worte fassen könne. Er legte aber großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Bluttat um die Tat eines Einzelnen handelte und nicht, wie ausländische Medien zuerst meldeten, um einen terroristischen Anschlag.