Psychiater schätzten Attentäter falsch ein

"Es besteht kein großes Risiko, dass Nordine Amrani erneut Schwerverbrechen begehen wird." Das stand im psychologischen Gutachten eines Gefängnisberichtes vom Mai 2010. Einige Monate später wurde er frei gelassen. Vergangenen Dienstag, also ein Jahr später, richtete er ein Blutbad in der Lütticher Innenstadt an.

Zwei Tage nach dem Drama in Lüttich kommen immer mehr Fragen auf. So ist weiterhin unklar, wie der Täter, ein krimineller Waffenfanatiker, so leicht erneut ein so großes Waffenarsenal anlegen konnte.

Aus einem Gefängnisbericht vom Mai 2010 geht hervor, dass es damals wenig Grund gegeben habe, zu befürchten, dass der Täter rückfällig werden würde, schreiben verschiedene Zeitungen.

Nach einem positiven Bericht war er auf eine vorzeitige Freilassung vorbereitet worden. In einer halboffenen Einrichtung bekam er psychologische Hilfe und wurde auch dort von den Psychologen positiv beurteilt.

Letztes Jahr im August, heißt es, habe er mit einer Technikerausbildung im Gefängnis begonnen und er war bei mehreren Zeitarbeitsfirmen eingeschrieben. Einige Monate später wurde er frei gelassen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt etwa die Hälfte seiner Strafe abgesessen.

Amrani hatte eine Stelle als Schweißer gefunden und wohnte zusammen mit seiner Frau in einer Wohnung ganz in der Nähe des Place Saint-Lambert, auf dem er das Attentat verübte.

Amrani musste sich allerdings an einige Auflagen halten, weil er wegen Vergewaltigung und der Anpflanzung von Cannabis verurteilt worden war. So durfte er keinerlei neue Tat begehen, sich von Alkohol und Drogen fernhalten, keinen Kontakt zu früheren Kumpanen haben und er musste eine festen Wohnsitz vorweisen können.

Einmal im Monat musste er sich im Justizpalast zu einem Gespräch mit einem Sozialarbeiter einfinden, der ihn beurteilen sollte. Scheinbar hielt sich Amrani an die Auflagen. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Sozialarbeiter darüber ausreichend hat urteilen können.