Wie steht es um den Wohlfahrtsstaat?

Die Wohlstandskluft zwischen den beiden großen belgischen Regionen Flandern und Wallonien nimmt weiter zu. Zu diesem Schluss kommt eine entsprechende Studie von drei Volkswirtschaftlern für die Universität Lüttich (ULg). Nach dieser Studie liegt der belgische Wohlfahrtsstaat europaweit im Mittelfeld.

Die Lütticher Volkswirte untersuchten den Fortgang des Versorgungs- und Wohlfahrtsstaates Belgien anhand von fünf Kriterien: Armut, soziale Ungerechtigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Das Abbrechen von Schule oder Ausbildung und Lebenserwartung.

Alle Kriterien zusammengezählt steht Belgien im Vergleich mit den anderen 26 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf dem 11. Platz. Wenn man in diese Rechnung die Kosten, bzw. die Effizienz der Wohlfahrt mit einbezieht, dann rutscht Belgien auf den 19. Rang ab. Auf Basis des Zahlenmaterials auf belgischer Bundesebene landen wir also um Bereich des unteren Mittelfeldes.

Wenn man aber die Studie der Lütticher Wirtschaftswissenschaftler im regionalen Vergleich betrachtet, dann zeigen sich recht große Unterschiede. Der flämische Wohlfahrtsstaat stünde demnach mit an der Spitze in der EU.

Die Wallonische Region steht in diesem Bereich etwa auf der Höhe von Spanien oder Portugal. Das belgische Bundesland Flandern verbuchte im Zeitraum der Studie (zwischen 2003 und 2009) einen deutlichen Schritt nach vorne, während die Wallonie kaum Fortschritt zeigte.

Die Kluft wird größer

Damit wird deutlich, dass die Wohlfahrtskluft zwischen Flandern und Wallonien vor allem auf sozialer Ebene weiter größer wird. Dazu ist zu bemerken, dass diese regionalen Unterschiede in der belgischen Politik und in der hiesigen Gesellschaft mehr Beachtung finden, als in anderen europäischen Ländern. Dieses Thema ist sogar ein Streitpunkt in der politischen Arena, zumal es oft darum geht, dass das "reiche“ Flandern nicht mehr für die "arme“ Wallonie zahlen will.

Wallonien muss dringend einen neuen Elan finden, um im sich Gleichgewicht zu den belgischen Staatsstrukturen weiter entwickeln zu können, schreibt das flämische Wirtschaftsblatt de Tijd dazu. Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) sagte dazu, dass diese Studie beweise, wie wichtig die Staatsreform und die damit einhergehende Abgabe von Befugnissen vom Bund an Länder und Regionen sei. Sein wallonischer Amtskollege Rudy Demotte (PS) wollte die Ergebnisse der ULg-Studie noch nicht kommentieren.