EZB: Belgier Praet wird neuer Chefvolkswirt

Der Belgier Peter Praet wird der neue Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Anstellung des Belgiers zur faktischen Nummer 2 der Zentralbank hinter EZB-Chef Mario Draghi ist eine Überraschung. Mit der Ernennung wurde ein deutsch-französischer Interessenskonflikt abgewunden.

Der Belgier Peter Praet ist überraschend zum Chefvolkswirten der EZB ernannt worden. Praet tritt die Nachfolge des Deutschen Jürgen Stark an, der Ende 2011 seinen Posten aus Unfrieden mit der Handlungsweise seiner Einrichtung in der Frage der Eurokrise. Eigentlich war erwartet worden, dass entweder der Franzose Benoît Coeure oder der Deutsche Jörg Asmussen neuer Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Notenbank wird.

Bislang besetzte Deutschland diesen Posten seit dem Start der Währungsunion 1998, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete. Doch mit der Ernennung Praets ging die EZB einem sich anbahnenden Interessenskonflikt zwischen Deutschland und Frankreich aus dem Weg.

Die Europäische Zentralbank ist die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Jörg Asmussen, der deutsche Kandidat für den Posten des Chefvolkswirts, wird in Zukunft die Außenbeziehungen der EZB steuern. Bei den wichtigen internationalen Institutionen wird also künftig ein Deutscher EZB-Präsident Mario Draghi vertreten. Der Franzose Benoît Coeure übernimmt die Leitung der Abteilung Marktoperationen.

Wer ist Peter Praet?

Der 62 Jahrer alte promovierte Ökonom Peter Praet ist seit Juni 2011 einer der sechs Direktoren bei der EZB und war nach Stationen im Finanzministerium, beim Internationalen Währungsfonds IWF (von 1978 bis 1980) und in der Wissenschaft zuletzt bei der belgischen Nationalbank.

Zwischendurch war er bei verschiedenen Banken in Belgien tätig (die ehemalige Generale Bank und die Fortis Bank) und er dozierte an der frankophonen Freien Universität Brüssel (ULB). Studiert hat Peter Praet an der niederländisch-sprachigen Freien Universität Brüssel (VUB). 1999 war der Volkswirt und Akademiker kurzzeitig Kabinettschef des früheren belgischen Finanzministers Didier Reynders (MR).

Peter Praet spricht übrigens gut Deutsch, denn er lebte in seiner Jugend längere Zeit in Deutschland. Seine Mutter ist eine Deutsche.