Umstrittener Tempelbesuch von Richtern

Das VRT-Magazin "Panorama" brachte in seiner Dienstagsausgabe einen Beitrag über den Besuch einiger Antwerpener Richter im Jain-Tempel in Wilrijk. Dieser Tempel wird von den indischen Diamantenhändlern aus Antwerpen finanziert.

Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom (Open VLD - Foto) bittet den Antwerpener Generalstaatsanwalt um einen ausführlichen Bericht über den Besuch von Richtern und deren Frauen im Jain-Tempel (Foto oben - aus "Panorama"). Diesem Besuch, als Kulturveranstaltung bezeichnet, folgte offenbar auch ein Essen, bei dem die betroffenen Richter mit Vertretern der indischen Gemeinschaft Antwerpens zusammentrafen.

Vor dem Hintergrund von Ermittlungen der Antwerpener Justiz gegen 170 Diamantenhändler, die bei der schweizerischen HSBC-Bank geheime Konten unterhalten sollen und von denen nicht wenige Inder sind, ist dieser Vorgang zumindest als prekär zu betrachten. Kritik kommt von Seiten der Politik und der Medien.

Zunächst sollte das Essen der Richterehepaare und der Vertreter der indischen Gemeinde in Antwerpen vom Antwerp World Diamond Center bezahlt werden, das ist eine der wichtigsten Lobbygruppen in diesem Bereich. Doch letztendlich zahlte der Antwerpener Richter Marc Huybrechts das Dinner. Huybrechts ist neben seinem Amt als Richter auch indischer Ehrenkonsul und er hatte den Ausflug zum Jain-Tempel in Wilrijk bei Antwerpen organisiert.

Krieg an allen Fronten?

Kritikern stößt auf, dass die Verbindungen zwischen der Antwerpener Justiz und der indischen Diamantenlobby so eng zu sein scheinen. Vor dem gleichen Hintergrund hatte am Mittwoch eine Haussuchung bei einem Staatsanwalt im Antwerpener Justizpalast für Schlagzeilen gesorgt (wir berichteten).

Hier galt es offenbar, das Ermittlungsverfahren gegen die der Steuerhinterziehung bezichtigten Antwerpener Diamantenhändler vor einem Aus durch eventuelle Formfehler zu bewahren. Offenbar tobt in dieser Geschichte in Antwerpen ein juristischer Krieg an allen Fronten.