Belgiens neue Loks kommen von Siemens

Nach langen Zulassungsverfahren und um Jahre verspätete Auslieferungen durch Missachtung der Lastenhefte durch den Hersteller Siemens werden die neuen belgischen Lokomotiven der Baureihe HLE 18 (Foto) in die Fahrpläne integriert.

Insgesamt hatte die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB bei Siemens 2006 und 2008 insgesamt 120 Maschinen der Baureihe HLE 18 (200 km/h, 6.000 kw, 88 t) bestellt. Siemens baute diese Lokomotiven im Münchener Werk in Allach. Abgesehen von Kinderkrankheiten sind diese Fahrzeuge schon jetzt beliebt beim belgischen Fahrpersonal.

Diese Mehrsystem-Lokomotiven, die in Zukunft auch im internationalen Reisezug-Verkehr nach Frankreich, Luxemburg, Deutschland (nach Aachen HBF) und in die Niederlande eingesetzt werden sollen, gehören zur so genannten "Eurosprinter-Familie“ von Siemens, eigentlich ein bewährter, variabel einsetzbarer und bestellbarer Loktyp von Siemens.

Doch bei der Zulassung und bei der Abnahme in Belgien gab es jahrelange Probleme, denn Siemens beachtete die Auflagen, die bei der Bestellung im Lastenheft der belgischen Bahn aufgeführt waren, nur bedingt.

Aber jetzt werden diese Fahrzeuge nach ersten Einsätzen von einer Reihe Probeloks im Fahrplan eingesetzt. Sie ersetzten im Zuge ihrer Auslieferung ältere belgische Baureihen aus den 1960er Jahren und verdrängen die recht neuen Loks vom Typ HLE 13 in den Güterzugdienst.

Bis Oktober 2012 sollen alle Fahrzeuge im Einsatz sein. Sie sind mit dem europäischen Bahn-Sicherheitssystem ECTS und mit dem belgischen Sicherheitssystem TBL+ ausgerüstet, also im Prinzip international einsetzbar.

Weitere Zulassungen und Neuheiten

Eine weitere Maschine aus dem Hause Siemens hat jetzt auch die Zulassung für den Betrieb in Belgien erhalten und zwar die Baureihe ES64F4. Damit ist diese Lokomotive für insgesamt sechs Länder zugelassen: Belgien, Deutschland, Italien, Österreich, die Schweiz und die Niederlande. Das bedeutet, dass internationale Güterzüge mit solchen Maschinen jetzt für alle drei so genannten "ARA-Häfen“ (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) einsetzbar sind. Damit können z.B. Containerzüge ohne Lokwechsel an den Grenzen von Italien aus quer durch Europa und über die Alpen in den Antwerpener Hafen fahren.

Derzeit laufen auch die Zulassungsverfahren für neue Nahverkehrszüge für die belgische Nahverkehrsgesellschaft NMBS/SNCB. In den kommenden Jahren sollen insgesamt 305 Triebzüge der Bauart Desiro, ebenfalls von Siemens, ausgeliefert werden. Diese Züge haben den neuesten Stand in Sachen Komfort und sollen ebenfalls im Laufe des Jahres in die Fahrpläne eingeschleust werden. Diese sind 160 km/h schnell und haben 280 Sitzplätze, 70 mehr als herkömmliche belgische Nahverkehrstriebzüge. Die neuen dreiteiligen Desiros der belgischen Baureihe AM08 ersetzen Triebwagen, die teilweise noch aus den 1950er Jahren stammen.