Wieder belgische Bistümer durchsucht

Polizei und Justiz haben am Montag wieder Hausdurchsuchungen in Gebäuden von Bistümern in Belgien durchgeführt. Im Rahmen der Operation Kelch, die sich gegen sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche richtet, wurden Büros in Antwerpen und Limburg durchsucht.

Wim De Troy (kleines Foto), der zuständige Untersuchungsrichter in diesem Fall, der Oberstaatsanwalt von Antwerpen und mehrere Polizisten hatten am Montagmorgen die Büros und Ämter des Bistums von Antwerpen durchsucht. Dabei wurden mehrere Akten, die sich auf Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche beziehen, beschlagnahmt.

Allerdings wurde dem Bistum eingeräumt, von diesen Akten vorher Kopien anzufertigen. Bei den beschlagnahmten Papieren handelt es sich sowohl um Akten bereits bekannter Fälle, als auch um neue Vorkommnisse.

Gleichzeitig fanden Hausdurchsuchungen auch im Bistum Hasselt und erneut im Erzbistum Mechelen statt. Dort beschlagnahmten Justiz und Polizei auf Anweisung des Brüsseler Untersuchungsrichters De Troy ebenfalls Akten und Vorgänge aus dem Bereich sexueller Missbrauch durch Vertreter der Kirche.

Über den konkreten Anlass der Vorgänge bestand bis zum frühen Montagnachmittag noch Unklarheit. Angeblich stehen auch weitere Razzien in den Bistümern von Gent und Brügge bevor.

"Wir haben nichts zu verbergen"

In den von den Hausdurchsuchungen betroffenen Bistümern verfolgte man am Montag die Vorgänge mit Erstaunen. Doch zählt die Geistlichkeit in der belgischen Katholischen Kirche auf das Vertrauen in die Justiz.

Clem Vande Broek, der Sprecher des Bistums Hasselt, sagte: "Wir haben absolut nichts zu verbergen. Zu jeder Klage und Missbrauchsmeldung liegt ein Dossier vor, in dem perfekt zu verfolgen ist, wann wir wem bei Gericht eine Information weitergegeben haben.“

Die Ermittler beschlagnahmten in Hasselt lediglich einen Karton mit Akten, in dem sich vier Vorgänge von sexuellem Missbrauch von Kindern durch Geistliche befanden. Zuvor angefertigte Kopien blieben vor Ort im Bistum, zur Weiterverfolgung des Vorgangs in Sachen Entschädigung der Opfer. Von den vier Geistlichen aus dem Hasselter Bistum, denen ein solcher Missbrauch vorgeworfen wird, sind zwei bereits verstorben, so Vande Broek.

Inzwischen zweifelt Fernand Keuleneer (Foto), der Anwalt der belgischen Bistümer, auch an der Rechtmäßigkeit der neuerlichen Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen: "Das eine Hausdurchsuchung im Rahmen einer gerichtlichen Untersuchung stattfindet, ist normal. Doch dann muss allerdinge eine ausreichende Begründung für diese Durchsuchungen und Handlungen vor Ort vorliegen. Ich will nicht vorgreifen, doch ich stelle mir einige Fragen dazu.“

Ähnliche Vorgänge auch schon 2010

Im Juni 2010 hatten Hausdurchsuchungen im Erzbistum von Mechelen international für Schlagzeilen gesorgt. Auch damals ließ der Brüsseler Untersuchungsrichter Wim De Troy Akten zum sexuellen Missbrauch durch Kirchenmänner beschlagnahmen. Diese durften jedoch auf richterliche Anordnung im Rahmen der Operation Kelch nicht genutzt werden, da die Beschlagnahme an sich mit juristischen Formfehlern behaftet war. Diese Akten durften von den ermittelnden Beamten nicht als Beweismaterial berücksichtigt werden.

Offenbar erhofft sich Untersuchungsrichter De Troy von den neuerlichen Hausdurchsuchungen und den dabei beschlagnahmten Dokumenten mehr Erfolg und rechtlich einwandfreie Beweismittel. Allerdings stellen die Anwälte der Bistümer die neuerliche Vorgehensweise erneut in Frage.