"Task Force" gegen Obdachlosendrama

Die belgische Regierung und die Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung, Maggie De Block (Open VLD), wollen mit einer "Task Force" dafür sorgen, dass die rund 1.000 Asylsucher ohne Dach über dem Kopf und die 2.000 Brüsseler Obdachlosen so schnell wie möglich aufgefangen werden können.

In diesen Tagen ist es tagsüber und gerade auch in der Nacht bitter kalt in Belgien und in der Hauptstadt Brüssel, wo derzeit rund 3.000 Menschen, Obdachlose und Asylbewerber, auf der Straße leben müssen, kündigt sich ein menschliches Drama an, wenn nicht schnell geholfen werden kann.

Seit den Mittagsstunden am Mittwoch tagt eine "Task Force“ aus Vertretern verschiedener Ministerien - Asyl und Einwanderung, Verteidigung, Gebäudeverwaltung - und sucht nach schnellen Lösungen. Schnelles Handeln ist angesagt und Staatssekretärin De Block muss sich gegen harsche Kritik stemmen. Ihr wird vorgeworfen, zu spät zu reagieren. Sie führt hingegen an, bereits seit November des vergangenen Jahres an der Sache dran zu sein, doch jetzt, wo die Temperaturen dramatisch unter null sinken, scheinen die Behörden überrascht vom Ausmaß des Problems.

Inzwischen haben sich private Initiativen und Hilfsvereinigungen um die Obdachlosen und die Asylsucher ohne Dach über dem Kopf gekümmert, während das öffentliche Sozialhilfezentrum (ÖSHZ) der Stadt Brüssel alle möglichen Schlafplätze als belegt melden muss. OSHZ-Vorsitzender Yvan Mayeur (PS) rief schon am Dienstag die belgische Bundesregierung auf, schnell zu helfen, denn man wolle und könne nicht mehr für die Versäumnisse der Regierung einspringen. Der flämischer Verband der Städte und Gemeinden (VVSG) pflichtete ihm bei.

Erste Hilfe erfolgt, die Kritik bleibt

Einige hundert Hilfsbedürftige wurden bereits in Kasernen und leerstehenden Armeegebäuden untergebracht, doch die Zahl derer, die am Mittwochnachmittag immer noch keinen Schlafplatz fanden, bleibt groß.

Staatssekretärin De Block bleibt inzwischen Ziel diverser Angriffe. So kritisierte der Krisenmanager des Einwanderungsministeriums, Peter De Croo, seine Aufsichts-Staatssekretärin in einem offenen Brief. Auch aus den Reihen der Opposition und der Mehrheit wächst die Kritik an der flämischen Liberalen.

Philippe Moureaux (Foto), Senator für die in der Mehrheit sitzenden frankophonen Sozialisten PS und Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Molenbeek, warf De Block in einem Radiointerview am Mittwochmorgen vor, dass sie ihre Sache nicht gut mache und dass sie nicht genug unternehme, diese Krise in den Griff zu bekommen: "Sie haben uns gesagt, dass alles besser werden würde, wenn Asyl und Einwanderung in einem Ministerium vereinigt würden, weil diese Probleme in der Vergangenheit schlecht behandelt wurden. Doch heute stelle ich fest, dass damals alles besser funktioniert hat.“