Bekaert: Schichtbeginn trotz Stellenabbau

Beim Stahldrahthersteller Bekaert ist die Frühschicht am Freitag zur Arbeit angetreten. Die Belegschaft produziert trotz des am Vortag angekündigten Stellenabbaus. Inzwischen wurde bekannt, dass Bekaert in den vergangenen Jahren hohe Zuschüsse erhielt und kaum Steuern zahlte.

Die Gewerkschaften bei Bekaert haben keine Streiks oder andere Aktionen als Protest gegen den Abbau von über 600 Jobs angekündigt, doch spontane Arbeitsniederlegungen seien nicht ausgeschlossen, hieß es am Freitag. Die Frühschicht war am Morgen um 6 Uhr wie geplant angetreten, doch produziert wird hier ohne Motivation. In Aalter, wo die meisten Stellen abgebaut werden, ist die Stimmung niedergeschlagen.

Die Unsicherheit ist groß, so die Gewerkschaftler und solange nicht feststeht, wer gehen muss und wer bleiben kann, geht die Stimmung gen null. Am Montag treffen sich das Management und die Arbeitnehmervertreter zu ersten Gesprächen über einen Sozialplan, der die Entlassungen begleiten soll.

Inzwischen wurde auch bekannt, dass Bekaert in den vergangenen vier Jahren 17,7 Millionen € Zuschüsse von Seiten der flämischen Landesregierung erhielt. Eine Million davon floss 2008 zum Beispiel als Zuschuss für Aus- und Weiterbildung.

Zudem zahlte Bekaert trotz Millionengewinnen in den Jahren 2009 und 2010 keine Steuern. Die Bekaert-Gruppe konnte von günstigen föderalen Gesetzen profitieren und zwar vom System der so genannten "fiktiven Zinsen“ auf Risikokapital. Dieses System senkt die Steuerlast vor allem für ausländische Unternehmen, die in Belgien investieren. Belgien verhinderte mit diesem System, dass Bekaert ins Ausland abwandert.