Muss Bekaert Zuschüsse zurückzahlen?

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V - Foto) lässt prüfen, ob der Stahldrahtproduzent Bekaert angesichts der geplanten Entlassung von mehr als 600 Mitarbeitern in Belgien 17,7 Millionen € an Zuschüssen aus der Landeskasse zurückzahlen muss.

Die geplante Entlassungswelle bei Bekaert erschüttert ganz Belgien und besonders im belgischen Bundesland Flandern drückt der Vorgang auf die Stimmung. Landeschef Peeters kündigte an, dass man alles daransetzen werde, den Arbeitern von Bekaert, die ihren Job verlieren werden, zu einem neuen Arbeitsplatz zu verhelfen.

Der flämische Christdemokrat lässt allerdings auch prüfen, ob Bekaert seine Landeszuschüsse in Höhe von 17,7 Millionen € für Innovation und Aus- und Weiterbildung aus den Jahren 2007 bis 2011 zurückzahlen muss. Die Zuschussgeber, die Landesagentur für Innovation durch Wissenschaft und Technologie (IWT) und die Landesagentur für Unternehmen, sollen jetzt untersuchen, ob Zuschusszahlungen, die noch laufen, gesperrt und bereits gezahlte Gelder zurückgefordert werden können.

Doch bei Bekaert zeigt man sich nicht dazu geneigt, diese Zuschüsse tatsächlich in die flämische Landeskasse zurück zu überweisen. Bei dem Stahldrahtproduzenten heißt es dazu, dass man sich an alle Abmachungen gehalten habe und dass man schließlich in Flandern auch investiert habe. In die Forschungsabteilung in Deerlijk sei Geld geflossen, so Bekaert-CEO Bert De Graeve (Foto) am Donnerstagabend im VRT-Magazin "Terzake“:

"Ich möchte darauf hinweisen, dass den 16 Millionen €, die wir über einen Zeitraum von fünf Jahren erhalten haben, eine Anwerbung von 300 Menschen, 50 Millionen € Investitionen in das Technologiezentrum in Deerlijk und 20 Milliarden Investitionen in die hiesige Infrastruktur gegenüberstehen.“ Degraeve gab auch an, in Zukunft in Flandern weiter investieren zu wollen.

Ministerpräsident Peeters ist der Ansicht, dass der Entschluss von Bekaert, rund 600 Mitarbeiter zu entlassen, keine Folge von zu hohen Arbeitskosten in Belgien sei, sondern von einem zusammengebrochenen Markt für Stahldrahtprodukte. Der Markt für Feindraht zur Herstellung von Sonnenkollektoren leide unter der Tatsache, dass auch dieser Bereich mit konjunkturellen Problemen zu kämpfen habe.

"Wir zahlen jährlich 128 Millionen € Steuern"

Bekaert wehr sich auch gegen den Vorwurf, in Belgien keine Steuern zu zahlen. Bekaert-Sprecherin Katelijne Bohez sagte auf Bemerkungen einiger Parteien, dass ihr Unternehmen seit fünf Jahren keinen Cent Steuern in Belgien gezahlt habe:

"Bekaert zahlt jährlich 128 Millionen € an Steuern, Vorabzügen auf Dividenden und Gehälter, Lohnnebenkosten und noch eine Reihe andere Abgaben. Auf Ebene der Unternehmensgruppe zahlten wir vergangenes Jahr zudem 139 Millionen € an Steuern auf unsere Gewinne.“

Nach Angaben der Unternehmenssprecherin zahlt Bekaert diese Steuern in verschiedenen Ländern: "Wenn das in Belgien 0 % sind, dann bedeutet das, dass wir hier keine Gewinne erzielen.“