"Steuerhinterziehung ist manchmal nötig"

John Crombez (SP.A), Staatssekretär für den Kampf gegen Betrug der neuen belgischen Bundesregierung, will genauer wissen, wo und in welcher Höhe in unserem Land Steuern hinterzogen werden. Dabei will er sich verstärkt wirtschaftlichen Bereichen widmen, in denen Steuerhinterziehung "notwendig" sein soll.

Staatssekretär Crombez (Foto) sagte am Montagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: "Studien behaupten, dass die Belgier 6 Milliarden € Steuern hinterziehen. Andere Studien sagen, dass 30 Milliarden € hinterzogen werden. Das bedeutet, dass wir es eigentlich nicht wissen.“

Der Staatssekretär für den Kampf gegen Betrug reagierte damit auf die Herausgabe eines neuen Buches mit dem Titel "Jeder tut es“. In diesem Buch schreibt der Autor und Steuerexperte Michel Maus, dass einige wirtschaftliche Sektoren ohne Steuerhinterziehung gar nicht erst funktionieren können. Genau solchen Bereichen will sich Staatssekretär Crombez, ein flämischer Sozialist, jetzt genauer widmen, um ihnen aus ihren Problemen herauszuhelfen.

Maus behauptet aber auch, dass ein Großteil der seiner Ansicht nach 26 bis 30 Milliarden €, die in Belgien jährlich hinterzogen werden, aus den schwarzen Kassen wieder in die "normale“ legale Wirtschaft zurückfließen. Soweit ist Staatssekretär Crombez auch schon und dies sei gerade das Problem, so der SP.A-Politiker.

Dies mache es schwierig, wenn nicht sogar fast unmöglich, den Impakt der Steuerhinterziehung in unserem Land genau zu beziffern, auch wenn immer mehr hinterzogenes Gend entdeckt wird und in die Staatskasse fließen kann: "In wie weit beeinflusst Steuerhinterziehung den Laden? Es ist deutlich, dass hier etwas in Schieflage gerückt ist. Wir schreiben jetzt 720 Millionen € in den Haushalt hinein, doch diese Zahl steigt stetig und macht den Unterschied zwischen dem, was der Regierung entgeht und der echten Hinterziehung immer kleiner.“

Notwendiges Übel?

Staatssekretär John Crombez ist sich dessen bewusst, dass einige wirtschaftliche Bereiche in Belgien quasi ohne Steuerhinterziehung nicht auskommen können, denn manchmal wiege der Steuerdruck zu schwer, um ein Unternehmen oder ein Geschäft auch Gewinne abwerfen zu lassen:

"In einigen Sektoren, und das habe ich auch gerade erst entdeckt, ist es schlimmer als anderswo. Das sind oft Sektoren, bei denen sich erkennen lässt, dass die entsprechende Struktur der Behörden Schwarzarbeit quasi normal macht. Es ist jetzt an der Politik, dafür zu sorgen, dass diese Systeme in Sachen Steuerhinterziehung deutlich entschärft werden müssen.“

Als Beispiel nennt Crombez das Gaststättengewerbe: "Das ist ein sehr atypischer Bereich, in dem es fast unmöglich ist, alles im Rahmen des gesetzlichen Rahmens zu organisieren.“ Unternehmer und Personal in diesem Gewerbe bitten denn auch darum, dass ein System aufgebaut wird, das endlich erlaubt, sich dem System der Schwarzarbeit entziehen zu können.