Rentenreform: Einigung im Kernkabinett

Das Kernkabinett der belgischen Bundesregierung hat sich auf die lange erwartete Rentenreform und auf eine Neuregelung in Sachen Zeitkredit und Laufbahnunterbrechung geeinigt. Die Einigung entspricht im Wesentlichen dem Koalitionsabkommen.

Die Minister des Kernkabinetts der Regierung um Premierminister Elio Di Rupo (PS - Foto oben) gingen auf einige Forderungen der Gewerkschaften ein und passten ihre ursprünglichen Pläne zur Rentenreform im Bereich der so genannten "schweren Berufe“ an.

Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer aus einem entsprechenden Sektor, zum Beispiel das Bauwesen, Stahlkocher oder andere mit harter körperlicher Arbeit verbundenen Berufe, an seinem 50. Lebensjahr beziehungsweise nach 28 Dienstjahren für den Rest seiner beruflichen Laufbahn einen Zeitkredit im Form einer Viertagewoche anstelle einer Fünftagewoche in Anspruch nehmen kann.

Das Mindestalter für Vorruhestand bleibt für Arbeitnehmer in den oben genannten "schweren Berufen“ bei 58 Jahre und wird nicht auf 60 Jahre angehoben, wie in den meisten anderen Berufen. Doch es bleibt im Allgemeinen dabei, dass jeder Arbeitnehmer in Belgien länger arbeiten muss. Rente ist mit 62 Jahren bzw. nach einer beruflichen Laufbahn von 40 Dienstjahren möglich. Daran ändert sich also nichts.

Zeitkredit und der Bereich der Laufbahnunterbrechung werden in Zukunft, wie im Koalitionsabkommen verankert, neu geregelt und deutlich erschwert.

Das Kernkabinett und die "10er-Gruppe"

Die am Montagabend erzielte Anpassung der Rentenreform findet in der so genannten "10er-Gruppe“ der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände aus Bund und Ländern in Belgien keine Zustimmung. Die Arbeitgeberverbände werfen der Bundesregierung vor, sie entspreche lediglich den Interessen der Gewerkschaften, wie Karel Van Eetvelt (Foto) vom Selbständigenverband Unizo im Vorfeld der Gespräche bemängelt:

"Was wir gestern (am Montag - Adr.) erhalten haben, ist für uns nicht hinnehmbar, denn man hat den Fragen der Arbeitnehmer keine Rechnung getan. Die Rechnung dessen, was durch die Forderungen der Gewerkschaften erreicht wurde, wird auf die anstehende Haushaltsanpassung abgeschoben, sprich: Die arbeitenden Menschen und die Unternehmer werden wieder zur Kasse gebeten.“

Im Laufe der Gesprächsrunde konnten die Arbeitnehmer allerdings beruhigt werden, denn das Kernkabinett ging auch auf deren Erwartungen ein.