Lotsenstreik: Keine Verhandlungsmarge

Der Bummelstreik der Lotsen in den Seehäfen dauert weiter an. Die Lotsen fahren Dienst nach Vorschrift, bis ihre Pensionsforderungen auch mit der flämischen Landesregierung besprochen werden. Doch Landesverkehrsministerin Hilde Crevits (CD&V) sieht keinen Verhandlungsspielraum. Ein Ende des Streiks ist nicht absehbar.

Die Seefahrtlotsen wollen, dass ihre Tätigkeit als so genannter "schwerer Beruf“ angesehen wird, damit sie nicht unter die Pläne der Rentenreform auf Bundesebene fallen, nach denen sie zwei Jahre länger arbeiten müssen. Eigentlich hatten sich die Berufsverbände und die Gewerkschaften der Lotsen schon mit Bundesrentenminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) geeinigt, doch auf dem Terrain wird weitergestreikt.

Das bedeutet, dass die Lotsen Dienst nach Vorschrift fahren. Sie nehmen nach jedem Lotsendienst eine maximal mögliche Pause und arbeiten lediglich zwischen 9 Uhr morgens und 17 Uhr abends. "Wie die anderen Beamten auch“, heißt es dazu von Seiten der Lotsen.

Inzwischen sorgt dieser Bummelstreik für einen schweren wirtschaftlichen Schaden, denn seit Montagabend stauen sich die Hochseefrachter vor und in den Seehäfen von Antwerpen und Zeebrügge. Alleine vor Antwerpen warteten am Mittwochmittag mehr als 80 Schiffe, die durch die Schelde gelotst werden müssen.

John Claes, der Generaldirektor der Fruchtabteilung des Vertriebsunternehmens Sea Invest, spricht von sechs Frachtern aus Übersee, die vollbeladen in der Nordsee vor Anker liegen und dringend nach Antwerpen müssen. Sie haben jeweils 6 Millionen Tonnen Früchte und Obst geladen. Das bedeutet, dass der Groß- und Einzelhandel in gleich mehreren europäischen Ländern in absehbarer Zeit auf 36 Millionen Tonnen Ware warten wird.

Alleine den Antwerpener Hafen soll der Streik wirtschaftlich rund 1 Million € pro Stunde Verlust bringen. Vom entstehenden volkswirtschaftlichen Schaden außerhalb des Hafens abgesehen, befürchten die Hafenbehörden und auch die verschiedenen Regierungsinstanzen in Belgien einen enormen internationalen Imageschaden für die Seehäfen.