Kommunaler Wohnungsbau: Betrug in Vilvoorde?

In den Jahren 2008-2010 sind beim Wohnungsbauamt in Vilvoorde schwere Fälle von Misswirtschaft und Verstößen gegen die Vorschriften festgestellt worden, sodass möglicherweise die Rede von Betrug ist. Das geht aus dem Bericht des Gutachters der flämischen Gesellschaft für Sozialwohnungsbau hervor.

Die flämische Gesellschaft für Sozialwohnungsbau (Vlaamse Maatschappij voor Sociaal Wonen, VMSW), die die einzelnen Sozialwohnungsbaugesellschaften bezuschusst, hat auf Anfrage der Geschäftsführung der Inter-Vilvoordse Maatschappij (IVMW), ein Audit der umstrittenen Geschäftsjahre vorgenommen.

Das Ergebnis war katastrophal: Die IVMW hielt sich nicht an die Buchhaltungsvorschriften, gab unverantwortlich hohe Mittel aus und versäumte es, Zuschüsse zu beantragen. Auch die von der IVMW beauftragte externe Buchhaltungsfirma rechnete schwindelerregend hohe Kosten an.

Jedes Jahr gab die Gesellschaft 800.000 Euro für Personalkosten aus, was den Durchschnitt im sozialen Wohnungsbausektor bei Weitem übertrifft. Unerklärlich hoch waren auch die Kosten, die für die Instandsetzung von Wohnungen nach dem Umzug ehemaliger Mieter, gemacht wurden. Ein ehemaliger Direktor soll wiederum auf Kosten der Gesellschaft besonders hohe Restaurantspesen verursacht haben.

„Aufgrund der chaotischen Zustände der Finanzen ist IVMW besonders anfällig für betrügerische Praktiken. Sollte tatsächlich Betrug festgestellt werden, will die heutige Geschäftsführung Klage einreichen“, so der Vorsitzende des Verwaltungsrats Herman Dewaerheid (CD&V) gegenüber der VRT.
 

Die zuständige flämische Ministerin Freya Van den Bossche (SP.A)hat die Inspektion eingeschaltet: „Es geht hier nicht nur um Personalkosten, sondern auch um Unregelmäßigkeiten beim An- und Verkauf von Immobilien, über die Aufteilung von Ausschreibungen und möglicherweise Bevorzugungen einer Baufirma“.

Sollte sich der Verdacht auf Betrug erhärten und herausstellen, dass der Verwaltungsrat nicht in der Lage war, die Geschäftsführung zu kontrollieren, will Ministerin Van den Bossche einen externen Verwalter anstellen.