Schlossmord Wingene: "Eine Lektion erteilen"

Die Unschulds-Bezeugungen des Schwiegervaters des im mittlerweile über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Schlossmord getöteten Immobilienhändlers Stijn Saelens zeigen erste Risse. Konfrontiert mit einer Flut von Indizien gab Dr. André G. an, dass das Opfer "eine Lektion brauchte".

Am Dienstag mussten die drei Hauptverdächtigen, André G., dessen Sohn Peter und der Hormonhändler Pierre S. am Gericht in Brügge vor der Ratskammer erscheinen (Foto), wo über die weitere Inhaftierung entschieden wurde. Dort wurden sie mit den Elementen konfrontiert, die darauf hinweisen, dass sie verantwortlich für den Mord an Stijn Saelens im Schloss von Wingene sind.

Unter anderem weist die Verbindung zwischen Pierre S. (der gegen seine U-Haftverlängerund in Berufung gehen wird), bei dessen Anwesen die Leiche des Opfers gefunden wurde, und zwei Tschetschenen in Richtung einer Auftragsvergabe für einen Mord. Die beiden Tschetschenen hatten nach eigenen Aussagen behauptet, sie sollten "jemanden eine Lektion erteilen“, was der Schwiegervater des Opfers gegenüber dem Ermittlungsrichter auch bestätigte.

Doch auch am Dienstag kam es nicht zu Geständnissen und die Hauptverdächtigen weisen jede Schuld von sich. Weder die Anwälte der Verdächtigen, noch die Staatsanwaltschaft von Brügge wollten den Vorgang kommentieren. Inzwischen sollen die Verhöre, die intensiviert wurden, weitergehen. Viel Spielraum bleibt dem Trio wohl nicht mehr, denn die Schlinge um deren Hals zieht sich immer weiter zu. Die Autopsie des Mordopfers ergab, dass der Mann durch eine Kugel in der Lunge verletzt wurde und an den dadurch verursachten Blutungen gestorben sei.

Am Mittwochmorgen wurde bekannt, dass Jef Vermassen (Foto), der Anwalt von André G., gegen die weitere Inhaftierung seines Mandanten in Berufung gehen will. Vermassens Verteidigung ist nicht unumstritten. Der Jurist, der sich gerne in den Medien zeigt, hatte seinem Mandanten unlängst öffentlich geraten, er solle gut nachdenken und die Wahrheit sagen. Damit zog er die Kritik von Kollegen auf sich, die ihm vorwarfen, nicht glaubwürdig zu sein, denn er glaube öffentlich nicht an die Unschuld der Person, die er verteidige.

Zudem hat sich die Ehefrau des Mordopfers vor einigen Jahren in einem Verfahren von Vermassen verteidigen lassen. Falls die Frau im Prozess gegen die Mörder ihres Mannes als Nebenklägerin auftritt, steht Jef Vermassen vor einem Interessenskonflikt.