EU: Wirtschaftsprognose für Belgien nicht gut

Die Eurozone rutscht laut einer am Donnerstag vorgestellten Konjunkturprognose der EU-Kommission in die Rezession. Den Berechnungen zufolge schrumpft die Wirtschaft in den 17 Euroländern im laufenden Jahr um 0,3 Prozent. Auch für Belgien sagte die Kommission ein negatives Wirtschaftswachstum voraus. Die belgische Wirtschaft wird 2012 um 0,1 Prozent schrumpfen.

In ihren Wirtschaftsprognosen für dieses Jahr geht die Kommission außerdem davon aus, dass die Inflation in unserem Land 2,7 Prozent betragen werde.

Die Kommission schätzt damit die Zukunft der belgischen Wirtschaft ähnlich ein wie unsere Nationalbank. Die belgische Nationalbank prophezeite letzte Woche, dass die Wirtschaft in unserem Land um 0,1 Prozent schrumpfen werde. Die Inflation werde laut der NBB 2,6 Prozent betragen. Die Planungsbehörde ist hingegen weniger pessimistisch und prophezeit ein Wachstum von 0,1 Prozent.

Belgien gehöre laut der EU-Kommission zu den neun EU-Mitgliedstaaten, die in diesem Jahr ihre Wirtschaft schrumpfen sehen würden. Unser Land befindet sich damit in Gesellschaft von Problemländern wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Ungarn, aber auch in unmittelbarer Umgebung der Niederlande, von Zypern und Slowenien.

Die wiederaufflackernde Wirtschaftskrise hat die starke Erholung von 2010 und der ersten Hälfte von 2011 und das Vertrauen belgischer Verbraucher und Unternehmen wieder stark  zurückgeworfen. Betroffen von dem Einbruch waren vor allem das dritte und vierte Quartal von 2011. Mit diesen Worten beginnt die Kommission ihre Analyse. Im dritten Quartal schrumpfte die belgische Wirtschaft um 0,1 Prozent im Vergleich zu einem Quartal davor. Im vierten Quartal betrug der Rückgang 0,2 Prozent. Während die Kommission im Herbst noch davon ausging, dass die Wirtschaft 2011 über das ganze Jahr hinweg ein Wachstum von 2,2 Prozent verzeichnen würde, korrigiert sie nun ihren Ausblick von damals nach unten. Sie geht jetzt davon aus, dass dieses Wachstum auf 1,9 Prozent begrenzt geblieben sei. Die Nationalbank hat ähnliche Wachstumszahlen für 2011 berechnet.

Außer der abflauenden Wirtschaft, zeigten auch die Probleme bei Dexia und die hinzukommenden Staatsgarantien ihre Wirkung. Die verminderte Kreditvergabe der belgischen Banken traf vor allem die einfachen Familien.

All die Faktoren, die seit letztem Sommer für Wachstumsverzörgerungen sorgten, bleiben im ersten Halbjahr 2012 erhalten und werden weiter ihre Wirkung zeigen.  Davon geht die Kommission aus. Das Wachstum werde deshalb im laufenden Jahr mit -0,1 Prozent leicht negativ sein. Erst im dritten Quartal soll die Wirtschaft Dank einer stärkeren Position für belgische Unternehmen auf dem Exportmarkt wieder leicht anziehen. Im vierten Quartal wird eine "eindeutigere" Erholung erwartet.

Die Prognosen der Kommission zeigen wenig Vertrauen in die belgische Wirtschaft. Anfang dieses Jahres gingen die Verbraucher davon aus, dass sich die "allgemeine Wirtschaftslage" noch verschlechtern würde. Auch nimmt die Angst vor zunehmender Arbeitslosigkeit wieder zu.

Im ersten Quartal wird auch mit weniger Hypothekenanfragen gerechnet, was wiederum negative Auswirkungen auf den Bausektor haben wird.

Dass sich die Inflation auf 2,7 Prozent anstelle der im vergangenen Herbst prophezeiten 2 Prozent belaufen werde, sei der Kommission zufolge auf den belgischen Haushalt zurückzuführen. So würden vor allem die höhere Mehrwertsteuer auf Digitalfernsehen, die Erhöhung der Tabakverbrauchssteuern und die Abschaffung der Mehrwertsteuerfreistellung für Notare auffallen. Weitere Faktoren seien die erhöhten Telekomtarive und die hohen Energiepreise. Was Letzteres betrifft, so wiegten vor allem die steigenden Ölpreise schwer.