Gerhard Mercator: Der Kartograph wird 500

An diesem 5. März 2012 jährt sich der Geburtstag des weltberühmten Kartographen und Universalgelehrten Gerhard Mercator zum 500. Mal. Der runde Geburtstag von Gerardus Mercator Rupelmundanus, wie er sich selbst nannte, wird überall gefeiert, wo er lebte und wirkte.

Gerhard Mercator kam am 5. März 1512 als Gerard De Cremer (zu Deutsch: Der Kaufmann) in Rupelmonde bei Kruibeke in der heutigen Provinz Ostflandern zur Welt. Er war das sechste Kind des Schusters Hubert De Cremer und verbrachte seine Kindheit in Gangelt im Kreis Heinsberg in NRW, wo sein Vater eine Schusterwerkstatt betrieb.

Nach dessen Tod ging der junge Gerhard 1526 nach s’Hertogenbosch zu den "Brüdern von gemeinsamen Leben“. Gangelt ist übrigens seit 1998 freundschaftliche verbundene Partnerstadt der flämischen Gemeinde Kruibeke, zu der Mercators Geburtsort Rupelmonde gehört.

Ab 1530 zog es ihn zurück nach Flandern, wo er an der Universität zu Löwen studierte. Finanziell unterstützt wurde der junge Gerhard de Cremer stets von seinem reichen Onkel Gijsbrecht de Cremer.

Nach dem Abschluss führte er seine Ausbildung auf privater Ebene weiter und befasste sich mit Theologie, Philosophie und mit Mathematik. Dort speziell interessierten ihn die praktischen Anwendungsmöglichkeiten der Berechnungen und zwar genauer auf den Ebenen Landkarten, Globen und die dazu gehörigen Instrumente. In den Jahren 1534 bis 1537 war Mercator an der Erstellung der Erd- und Himmelsgloben von Gemma Frisius - ebenfalls Mathematiker und Kartograph, aber auch Astronom - beteiligt.

1537 schuf er eine erste eigene Karte, die Amplissima Terrae Sanctae descriptio ad utriusque Testamenti intelligentiam. 1538 fertigte Mercator auch seine erste Weltkarte an. 1539 brachte Mercator eine Karte von Flandern heraus, die ihm die Aufmerksamkeit des Königs einbrachte. 1541 brachte Mercator dann seinen ersten Globus heraus, der über Jahrzehnte hinweg ein Verkaufserfolg war.

Seefahrt, Humanismus und Ketzerei

Die Karten und Globen von Mercator hatten seiner Zeit für einen Aufschwung in der Seefahrt gesorgt. Von nun an konnte man exakter navigieren und sicherer Kurs halten. Die Tatsache, dass "die Welt jetzt rund war“, brachte auch dem Humanismus in Flandern einen neuen Elan, was der Kirche so gar nicht gefallen konnte. Gerhard Mercator allerdings ficht das nicht an. Er machte seinen ursprünglichen Namen, De Cremer - Der Kaufmann, alle Ehren und betrieb in der flämischen Hafenstadt Antwerpen ein florierendes Geschäft mit Land- und Seekarten, mit Globen und allerlei Messinstrumenten.

Unter anderem baut er auch den damals größten Globus der Welt. Dieser Globus mit seinen 41 cm Durchmesser ist heute das Prunkstück des Kultur- und Stadthistorischen Museums in Duisburg.

Bis heute weiß man nicht wirklich, ob Gerhard Mercator im Zuge seiner privat geführten Studien tatsächlich einen Doktortitel in Theologie erlangte. Vielleicht aufgrund der Tatsache, dass er kein Doktor der Theologie war und wegen seiner vielleicht sogar unbewussten Förderung des Humanismus wurde Mercator 1544 wegen Ketzerei, im damaligen Urteil "Lutherei“ genannt, angeklagt, verhaftet und für einige Monate in den Kerker geworfen. Doch sein Einfluss ist groß und er kommt wieder frei.

Danach hat sich Mercator in Flandern nicht mehr wohl und frei gefühlt und 1561 zieht er dort weg und zwar nach Duisburg. Diese Stadt gehörte damals nicht zu den streng katholischen Spanischen Niederlanden, sondern zu den Herzogtümern Jülich, Kleve und Berg.

Hier herrschte Wilhelm der Reiche und der wollte eine Universität gründen. Gerhard Mercator soll hier eine Professur übernehmen, doch die Pläne zogen sich hin und er wurde Lehrer an einer Schule, dem heutigen Landferman-Gymnasium. Aber, in der Hauptsache bleibt er Kartograph und er betreibt wieder eine sehr erfolgreiche Werkstatt.

Duisburg, sein "Freihafen"

Gerhard Mercator lebt mit seiner Ehefrau Barbara und seinen sechs Kindern in Duisburg Hans an Haus mit vielen weiteren Intellektuellen aus den Niederen Landen und findet hier seinen Frieden und seine Ruhe, denn ein großes Werk schwebt ihm noch vor: Ein Atlas. Darüber vergisst er sich sogar in Duisburg bei der Stadt anzumelden.

Als einer seiner Söhne Bürgermeister von Duisburg werden soll, muss dies noch schnell am Abend vor dessen Vereidigung nachgeholt werden…

Seine hier entstandene Weltkarte und sein Globus könnte man heute als Vorläufer der Globalisierung oder von „Google Earth“ bezeichnen, denn sie schufen den Grundstein für das Reisen um die Welt. Eine Welt, die durch Mercator schon im Mittelalter ein Stückchen kleiner wurde. Der Kartograph selber soll allerdings niemals das Meer gesehen haben.

Gerhard Mercator wurde 82 Jahre alt. Er überlebte sogar einige seiner Kinder. Bis zuletzt arbeitet er wie besessen an seinem Atlas, ein Buch, dass über die Kartographie den gesamten Kosmos erklären soll. Doch die Karten in diesem Atlas waren so genau, dass die restlichen darin enthaltenen wissenschaftlichen Schriften fast übersehen wurden. Seine letzte Ruhestätte fand Mercator in der Duisburger Salvatorkirche.

Wer oder was ist "Atlas"?

Bis in unsere Zeit hinein wurde übrigens gerätselt, ob Mercator mit den Titel „Artlas“ für sein Buch den Titanen aus der griechischen Mythologie gemeint habe. Atlas stützte das Himmelsgewölbe am westlichsten Punkt der damals bekannten Welt und gilt demnach auch als Namensgeber für das gleichnamige Atlas-Gebirge im Maghreb, dem Nordwesten Afrikas.

Doch vor etwa 20 Jahren übersetzte der Duisburger Lateinlehrer Wilhelm Krücken das Vorwort des Mercatorschen Atlas neu und stellte fest, dass der eigentliche Namensgeber ein mauretanischer König und Astronom war. Danach hätten eigentlich einige Werke und dem Kartographen gedenkende Kunstwerke neu benannt werden müssen, denn einige Male spricht man auch von einer Erdkugel, die der Atlas leicht tragen könne…

Mercator wird gefeiert

In Rupelmonde, seinem Geburtsort im heutigen Ostflandern, war am Wochenende vor dem eigentlichen Geburtstag, dem 5. März, gefeiert worden. Ein Volksfest und ein Umzug rund um das Geburtshaus von Mercator sorgten für ein schönes Gedenken. Belgiens Kronprinz Filip und Prinzessin Mathilde enthüllten ein Denkmal, das den jungen Mercator zeigt.

In Sint-Niklaas, der ostflämischen Kreisstadt der Gemeinde Kruibeke, zeigt das Städtische Museum SteM eine prestigeträchtige Ausstellung Leben und Werk des Kartographen auf eine sehr moderne und interaktive Weise. Mercator Digitaal präsentiert Mercator in sieben Kiosken über Computeranimationen, eine 3D-Projektion gibt Details zum Globus des Jahres 1541 und ein Miniplanetarium beleuchtet 51 Sternbilder.

Auch in Gangelt wird der große Sohn der Stadt gedacht. Hier werden Vorträge gehalten und Albert Baeumer, ein gebürtiger Gangelter, bringt eine DVD zu Leben und Werk Mercators heraus. Und nicht zuletzt gestaltete Gangelt den Mercatorpunkt am Schnittpunkt des 6. östlichen Längengrades und des 51. Breitengrades am Ende der Lindenstraße neu. Mehr dazu unter www.mercatoringangelt.de.

Ganz groß wird der 500. Geburtstag von Mercator in Duisburg gefeiert. Diese Stadt, in der fast alles den Namen Mercator trägt - Schulen, Kneipen, Apotheken… - feiert ein ganzes Jahr den Sohn der Stadt. Das Kultur- und Stadthistorische Museum hat mit der Ausstellung "Mercator und der blaue Planet" einen ganzen Veranstaltungszyklus auf den Weg gebracht und die Duisburger Schatzkammer erstrahlt aus Anlass dieser Feierlichkeiten in neuem Glanz.

Das belgische Bundesland Flandern feiert den 500. Geburtstag Mercators ebenfalls mit verschiedenen Veranstaltungen. Eine eigens eingerichtete Internetseite, www.mercator2012.eu, führt in niederländischer Sprache durch das ganze Mercatorjahr im belgischen Bundesland Flandern und bietet zudem eine Übersicht auch auf entsprechende Events im Ausland.