Das ganze Land hält 1 Minute inne

Um 11 Uhr hat ganz Belgien eine Schweigeminute für die Opfer des Busunglücks in Sierre in der Schweiz eingelegt. Nach der Schweigeminute läuteten überall die Trauerglocken.

Am Donnerstag hatte die Regierungsspitze entschieden, den heutigen Freitag als Staatstrauertag auszurufen. Um 11 wurde es im ganzen Land still, um der Opfer des Unglücks in der Schweiz zu gedenken.

In den Schulen wurde der Unterricht für eine Minute unterbrochen. In einigen Schulen wurden die Schüler auf dem Spielplatz oder im Pausenhof zusammengerufen, um eine Schweigeminute einzulegen. Manche Schulen spielten eine passende Musik zu diesem traurigen Anlass.

Auch die öffentlichen Verkehrsmittel stoppten für eine Minute. Züge, die in den Bahnhöfen standen, fuhren nicht ab und überall wurde vorab eine Nachricht über diesen Moment der nationalen Trauer ausgerufen. Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen, die unterwegs waren, fuhren die nächste Station an und hielten dort eine Minute.

In den öffentlichen Gebäuden sind die Flaggen den ganzen Tag auf halbmast gesetzt. Um 11 Uhr unterbrach das Personal der Stadt- und der Gemeindeverwaltungen für eine Minute seine Arbeit. In den Gerichten wurden einige Sitzungen unterbrochen, um zu trauern.

Vor dem Rathaus von Lommel, wo die meisten Opfer wohnten, waren viele Menschen zusammengekommen, um gemeinsam zu trauern. Auch die Stadtverwaltung hielt kurze Zeit inne. Auf dem Martelarenplein in Brüssel kam die flämische Regierung zusammen, um eine Gedenkminute einzulegen.

Auch im Privatsektor wurde getrauert. So standen bei den Autobauern Volvo in Gent und Ford in Genk die Bänder still. Auch an anderen Orten unterbrachen die Menschen ihre Arbeit.

Den ganzen Tag läuft ein abgeändertes Programm im Radio und Fernsehen. So senden die Fernseh- und Radiostationen als Zeichen der Trauer am heutigen Freitag keine Werbung. Auch einige Zeitungen verzichten darauf. Die Mitarbeiter der VRT versammelten sich um 11 Uhr an einem zentralen Platz im Gebäude, um eine Minute lang zu schweigen. Die Webseite der Zeitung De Standaard blieb 15 Minuten lang offline und zeigte nur einen weißen Hintergrund.

Nach der Schweigeminute läuteten im ganzen Land die Glocken. Im Hafen von Zeebrügge erschallten die Schiffshörner. An den Feuerwehrstationen heulten die Sirenen.

In vielen Moscheen des Landes haben die Immame beim heutigen Freitagsgebet dazu aufgerufen, für die Opfer des Busunglücks zu beten.

Bei dem Busunglück vom Dienstagabend in Sierre in der Schweiz starben 28 Menschen, darunter 22 Kinder und 6 Erwachsene. Außerdem wurden 24 Menschen verletzt. Die Opfer waren auf dem Heimweg eines Schulausfluges in der Schweiz.

Der letzte Staatstrauertag in Belgien war am 4. August 2004. Das war drei Tage nach einer Gasexplosion auf dem Industriegebiet von Ghislenghien, bei der 24 Personen starben und 132 Menschen verletzt wurden.