Diskussion um Unfallopfer-Fotos in Presse

Die Veröffentlichung der Fotos von Kindern, die bei dem Busunglück in der Schweiz gestorben sind sowie deren Eltern oder anderen Familienangehörigen in einigen Medien gehe "viel zu weit", reagierte die flämische Medienministerin Ingrid Lieten am Freitag.

"Man kann doch nicht einfach die Fotos benutzen und veröffentlichen, nur weil sie irgendwo in ein soziales Netzwerk gestellt wurden", so die Ministerin in der Frühsendung des VRT-Radios "De Ochtend". "Und schon gar nicht, wenn man vorher nicht die Erlaubnis der Angehörigen einholen konnte", fügte sie noch hinzu.

"Wenn die Fotos der Geschwister veröffentlicht werden, wo kommen wir denn da hin? Ihr Leben geht weiter und es wäre schön für sie, wenn sie ihre Anonymität wiederfinden und mit ihren Eltern in Ruhe trauern könnten. Warum mussten diese Fotos in den Zeitungen erscheinen", fragt sich Lieten.

Die flämische Minsiterin betonte, dass "zahlreiche Redaktionen ihr Gleichgewicht wiederfinden müssten". Sie appelliert an die "Notwendigkeit der Besonnenheit". "Die Presse spielt eine wichtige Rolle als Informationsträger. Wir möchten alle dieses Leid teilen. Es gibt aber Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen", so ihr Kommentar.

"Die Regierungen haben ihrerseits in den letzten Jahren viel in die Anerkennung der Opfer und in die Opferhilfe investiert", fügte sie noch hinzu. "Das alles hat aber wenig Sinn, wenn die Medien ihrer Rolle nicht nachkommen."

Ingrid Lieten ist für die Pressefreiheit. "Die Medien haben sich aber selbst eine Deontologie auferlegt. Ich bitte sie, diese auch zu respektieren", so die flämische Ministerin. Sie wolle übrigens den flämischen Journalistenrat in dieser Sache einschalten.