Ermittlungsrichter im Kirchenskandal gibt auf

Der Brüsseler Untersuchungsrichter Wim De Troy, der die Ermittlungen im Zusammenhang mit den sexuellen Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche leitete, gibt seinen Auftrag zurück. Für die Anwälte der Opfer ist dies ein schwerer Schlag.

Meldungen verschiedener belgischer Medien, nach denen Untersuchungsrichter Wim De Troy (Foto oben) bei Bundesjustizministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) um eine Beendigung seines Mandats bitten werde, wurden inzwischen bestätigt.

Wim De Troy, dessen Vorgehensweise in Justizkreisen nicht immer unumstritten ist, hatte bereits im September 2011 um eine Entbindung von seinem Mandat gebeten, doch dieses Ersuchen wurde seiner Zeit abgelehnt. Damals hatte sich der Ermittlungsrichter nachhaltig darüber aufgeregt, dass eine ihm vertraute Mitarbeiterin nach ihrem Schwangerschaftsurlaub nicht zu ihm zurückkehren durfte.

Untersuchungsrichter De Troy hat maßgeblich an der Zusammenbringung der juristisch relevanten Fakten zu den Missbrauchsfällen teilgehabt. Mehrmals hatte er in Zusammenhang mit der so genannten „Operation Kelch“ Hausdurchsuchungen in Bistümern, Pfarren und Privatwohnungen vom Geistlichen und hohen katholischen Würdenträgern veranlasst, was ihm nicht überall in Dank abgenommen wurde.

Die Anwälte der Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche hingegen arbeiteten gerne mit Wim De Troy zusammen. Rechtsanwalt Walter Van Steenbrugge (kleines Foto), der gleich mehrere Opfer vertritt, nennt den Rückzug De Troys aus dem Verfahren einen schweren Schlag. Doch auch eine zeitliche „Enthauptung“ der Ermittlungen bedeute noch lange nicht das Ende der Ermittlungen, so der Staranwalt aus Flandern.