Streit um Hedwigepolder beendet?

Die niederländische Regierung ist bereit, ein Drittel des Hedwigepolder unweit der Westerschelde aus ökologischen Gründen zu fluten, also wieder dem Meer zu überlassen. Damit wird dem jahrelangen Tauziehen zwischen den Niederlanden und Belgien sowie der EU-Kommission ein Ende bereitet.

Der neue Vorschlag ist eindeutig ein Kompromiss, der sich in Richtung Belgien und Europa bewegt. Die Regierung von Premier Mark Rutte (VVD) (kleines Foto) ist seit neuestem bereit, ein Drittel des Hedwigepolder zu entpoldern und der Westerschelde zu überlassen. Es soll sich um 100 Hektar handeln.

In der Gegend sollen auch die Welzinge- und Schorrepolder und das Golfgelände sowie das Gelände Appelzak am östlichen Ufer der Schelde geflutet werden.

Die Niederlande hat dies nun der EU-Kommission vorgeschlagen, die schließlich das letzte Wort in dieser Diskussion hat. Die EU hatte einen früheren niederländischen Vorschlag bereits abgelehnt. Darin wollte die Niederlande den Hedwigepolder doch behalten und an einem anderen Ort einen Ausgleich für die Natur suchen. Auch unser Land war damals gegen diesen Vorschlag.

Tauziehen um einen Polder

Schon 2005 war der so genannte “Westerschelde-Vertrag” zwischen den Niederlanden und der belgischen Region Flandern unterzeichnet worden.

Darin wurde eine Fahrrinnen-Ausbaggerung in der Westerschelde beschlossen, um den nahe gelegenen Hafen von Antwerpen besser für grosse Schiffe erreichbar zu machen. In dem Abkommen steht jedoch auch, dass der dadurch entstandene Eingriff in das Ökosystem der Westerschelde durch eine Entpolderung aufgefangen werden soll.

Die Niederlande hatte sich dagegen gestellt, aus Naturschutzgründen, wie sie erklärte. Teile des Hedwigepolder, ein kleines Gebiet, angrenzend an das flämische Prosperpolder, wäre durch die Ausbaggerung bedroht.

In Belgien wurde wiederum gemutmaßt, die Niederlande wollte damit die Vormacht ihres eigenen Hafens Rotterdam sichern, des größten europäischen Hafens.

Inzwischen haben die Belgier und die Niederländer, jeder auf seiner Seite der Grenze, die Westerschelde ausgebaggert. Die Kompensierung für den Eingriff in das Ökosystem lässt jedoch noch auf sich warten.

Auch jetzt reagiert ein Aktionskomitee äußerst negativ auf den jüngsten Vorschlag der Niederlande. Auf dem Stück des Hedwigepolder, der in der Westerschelde verschwinden soll, pachten 25 Bauern Weideland. Sie verstehen nicht, warum sie ihre Kühe künftig woanders weiden lassen müssen.

Den Preis für das Fluten des betreffenden Polders übernimmt gemäss des Vertrags übrigens die flämische Regierung, in deren Interesse die Vertiefung der Westerschelde erfolgt ist.

Ein Kompromiss

In Den Haag hat die niederländische Regierung die immer wieder statt finden Proteste in ihrem Land erhört und eine Alternative gefunden, die sie jetzt vorgelegt hat. Nicht der gesamte Polder soll geflutet werden, wie Belgien und die Kommission das ursprünglich verlangt haben, sondern ein Drittel und noch zwei weitere kleine Gebiete. Ein Kompromiss also.

Der flämische Ministerpräsident Kris Peeters will sich erst zu dem Vorschlag äußern, wenn die EU-Kommission ihren Segen gegeben hat.