Wer waren die Belgier auf der Titanic?

Am 15. April 1912 sank der Luxusdampfer Titanic weit draußen im Atlantik südlich der Neufundlandbank. An Bord waren 27 Belgier. Nur sieben von ihnen überlebten das Unglück. Einige begannen später ein neues Leben in den USA. Drei Flamen versuchten sogar, mit dem Erzählen ihrer Geschichte Geld in den USA zu verdienen.

Die Mehrzahl der 27 Belgier auf der Titanic kam aus West- oder Ostflandern. Die Belgier an Bord der Titanic waren zumeist Arbeiter, die ihr Glück in Amerika versuchen wollten, da in Belgien Wirtschaftskrise herrschte.

25 der Belgier waren Passagiere, zwei unserer Landsleute arbeiteten auf dem Luxusdampfer. Georges Aspeslagh aus Ostende war eine Art Tellerwäscher im First Class Restaurant der Titanic. Er war unter anderem für das Geschirr zuständig. Auch das Tafelsilber hatte natürlich zu glänzen. Der andere angestellte Belgier auf dem Schiff war Georges Krins aus Liège, ein Musiker, der in der kleinen Titanic-Band Geige spielte. Georges Krins ist auf einigen Gedenktafeln in Großbritannien aufgelistet. Weder Krins noch Aspelagh hatten auch nur die geringste Chance, auf der untergehenden Titanic zu überleben.

Auch die arme Familie Van Impe aus Kersken, in der Nähe von Aalst, ist bei dem Unglück ums Leben gekommen. Jean-Baptist Van Impe, seine Frau Rosalie Govaert und ihre Tochter Catharina hatten nicht das Geld für einen Fahrschein und deshalb zuvor ihr ganzes Hab und Gut verkauft, um die Reise bezahlen zu können.

Zwei Belgier reisten in der ersten Klasse: Die Kabarettistin und Sängerin Bertha Mayné und der jüdische Diamantenhändler Jacob Birnbaum. Bertha Mayné hatte auf dem Schiff eine heimliche Affäre mit dem kanadischen Hockeyspieler Quigg Baxter begonnen. Es wird behauptet, dass beide erst während der Rettungsaktion mit diesen Neuigkeiten bei der Mutter von Bertha Mayné herausrückten. Die reiste mit ihnen.

Jacob Birnbaum hatte eigentlich gar nicht auf der Titanic sein sollen. Er hatte eine viel frühere Reise gebucht, aber seine Familie hatte ihn gebeten, noch die Osterferien mit ihr in Antwerpen zu verbringen.

Einige schafften es bis nach New York

Sieben Belgier überlebten das Unglück, darunter drei Männer: Jean Scheerlinck, Jules Sap und Theodoor De Mulder. Alle drei haben unterschiedliche Versionen ihrer Geschichte wiedergegeben, wie sie überlebt haben. Sie sagten, sie seien ins Wasser gesprungen, bevor das Schiff ganz und gar sank, aber es könnte auch sein, dass es mindestens einem von ihnen gelungen war, einen Platz in einem der Rettungsboote zu ergattern.

Die drei haben entweder eine Geschichte erfunden oder spektakuläre Details hinzugefügt, da sie wussten, dass sie später erklären mussten, wie sie überlebt haben.

Frauen und Kinder sollten zuerst auf die Boote und Männer wären als Feiglinge betrachtet worden, wenn sie sich vorgedrängt hätten. Jules, Jean und Theodoor kamen jedenfalls bis nach New York, allerdings ohne Geld, denn sie hatten alles bei der Katastrophe verloren.

Sie sind danach durch die USA gezogen, um ihre Geschichte vor einem Publikum zu erzählen und damit Geld zu verdienen, aber ihr Manager brannte mit dem Geld durch. Später erhielten sie vom Roten Kreuz einen Ausgleich als Opfer der Titanic-Katastrophe.

Jules Sap wurde zum berühmtesten Belgier, der Titanic-Überlebenden. Als er in seine Heimat zurückkehrte erzählte er seine Geschichte in belgischen Kinos, die den Film "Atlantiek Breedte 41°" (englisch: A Night to Remember; deutsch: Die letzte Nacht der Titanic) zeigten.

Er wurde zu einem "richtigen Star", so der belgische Journalist Dirk Musschoot. "Er war der einzige, dem es gelang, über diese schockierende Geschichte hinwegzukommen. Die anderen litten mental auch weiterhin unter den Folgen." (Kleines Foto: Jules Sap (in der Mitte) mit seinen Söhnen Georges und Cyriel).