Joachim Gauck will mehr Europa

Deutschland neuer Bundespräsident Joachim Gauck hat sich bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel bei der Europäischen Union ein hohes Ansehen verschafft. Er will mehr Europa, was ihm nicht alle Politiker in seiner deutschen Heimat in Dank abnehmen werden.
Bundespräsident Gauck wird in Brüssel von EU-Präsident Van Rompuy empfangen

Bundespräsident Gauck hat bei seinem Antrittsbesuch alle Erwartungen bestätigt. Bei seinen Treffen mit hohen Vertretern der Europäischen Union und bei seinen Ansprachen warb er sehr einnehmend für Deutschland und für Europa.

Dabei ging er sehr weit, denn sein "Ja!“ zu Europa wird nicht überall in Deutschland so gesehen. Gauck ging zum Beispiel davon aus, dass die Karlsruher Verfassungsrichter Klagen gegen den EU-Rettungsschirm kein Gehör bieten.
 

Sein Werben um Europa und um die Deutschen innerhalb der EU wurde in Brüssel wohlwollend angenommen, auch weil die Heimat Gaucks hier oft zu streng und sachlich, auch und gerade in der Frage der EU-Krise und der dem entsprechenden Sparzwänge, wahrgenommen wird. Das Treffen mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (kleines Foto) verlief entspannt und freundlich. Deutlich konnte die versammelte Presse erkennen, dass man sich gegenseitig schätzt. Beide unterstrichen, dass sie durch ihre eigene persönliche Geschichte zu den engagierten Europäern geworden seien, die sie heute sind.

In seiner Ansprache sagte Gauck, "Vereinigte Staaten von Europa“ mit einem Präsidenten seien auf absehbare Zeit unrealistisch, doch möglich sei, dass die EU-Mitgliedsstaaten schrittweise mehr Kompetenzen nach Brüssel verlagern. Die Süddeutsche Zeitung zitierte den Bundespräsidenten, der sich wünscht, dass sich die Erkenntnis durchsetze, "dass wir als Europa stark sind, als nationale Staaten nicht mehr stark genug.“

Weitere wichtige Treffen in Brüssel

Vor seinen Gesprächen mit Barroso traf Bundespräsident Joachim Gauck auch mit NATO-Generalsekretär Anders Fog Rasmussen zusammen, was Beobachter feststellen ließ, dass das Nordatlantische Verteidigungsbündnis selten einen Gast in Brüssel so freundlich begrüßt habe. Hunderte NATO-Mitarbeiter hatten das deutsche Staatsoberhaupt in einem Spalier empfangen und begrüßt.

Danach traf Gauck auch mit dem belgischen Premierminister Elio Di Rupo (PS) zusammen (Foto) und mit Herman Van Rompuy, dem ständigen Vorsitzes des Europäischen Rates. Nach Abarbeitung seines engen Terminkalenders in der belgischen und europäischen Hauptstadt begab sich Gauck nach Straßburg, wo er mit dem Präsidenten des EU-Parlaments, seinem Landsmann Martin Schulz zusammentraf.