Wie unehrlich ist Belgiens Polizei?

Wer ein gefundenes Portemonnaie bei der Polizei abgibt, kann offenbar nicht unbedingt davon ausgehen, dass es dem Besitzer auch weitergeleitet wird. Das VRT-Programm Volt hat die Probe aufs Exempel gemacht und 10 "gefundene" gefüllte Portemonnaies im Rahmen einer Undercover-Reportage bei der Polizei abgegeben. Nur 7 erreichten ihren Besitzer.

Volt ließ 10 verschiedene "verloren gegangene" Portemonnaies bei 10 verschiedenen Polizeirevieren abgeben. In den Portemonnaies waren die Personalien der Besitzer und 150 Euro.

Sieben der 10 Geldbörsen wurden ohne Probleme dem Besitzer ausgehändigt. Das Geld war noch in dem Geldbeutel. In zwei anderen Fällen wurde der Besitzer nicht kontaktiert und die beiden Geldbörsen verschwanden spurlos. In einem Fall wurde der Besitzer zwar verständigt, dass seine Geldbörse gefunden sei, aber als der Besitzer das Portemonnaie abholen wollte, schien auch diese Geldbörse samt dem Inhalt verschwunden.

Der Polizist, der den Besitzer über das verschwundene Portemonnaie informierte, gab zu, dass die Geldbörse höchstwahrscheinlich auf dem Revier gestohlen worden sei. Dem Revier in Ekkergem (Gent) war das mehr als peinlich und es hat sogar ein unabhängiges Verfahren eingeleitet, um der Sache nachzugehen. Die interne Dienstaufsicht hat den Fall übernommen.

Diese Abteilung sorgte zwar dafür, dass der Besitzer seine 150 Euro zurückerhalten hat, aber das Portemonnaie ist weiterhin verschwunden.

Der Sprecher der Genter Polizei, Manuel Gonzalez, versuchte danach, zu überzeugen, dass solch ein Fall eher selten sei und erklärte, wie es zum Verchwinden der Geldbörse nach dem Anruf beim Besitzer habe kommen können. So betonte er, dass es normalerweise feste Regeln gebe, wenn Geld gefunden wird und dass das Geld weggeschlossen werde, was in diesem Fall offenbar nicht geschehen sei. Das Portemonnaie habe frei zugänglich im Revier gelegen.

"Ein Dieb gehört nicht zur Polizei"

Die Gewerkschaft der öffentlichen Ämter VSOA ist empört, denn der Fall der verschwundenen Portemonnaies sei schlecht für das Image der Polizei. Wertvolle Gegenstände, die beim Revier abgegeben werden, sollten nicht einfach auf dem Revier herumliegen, sondern in ein Tresor geschlossen werden, so Vincent Houssin von der Gewerkschaft VSOA. Ein Dieb gehöre nicht zur Polizei, so der Gewerkschaftler. Die Gewerkschaft plädiert für ein einheitliches Kontrollsystem für alle Einheiten.

Das wiederum sei laut des ständigen Ausschusses der örtlichen Polizei kaum durchsetzbar.