Die Energieanbieter senken ihre Tarife

Der belgische Energieanbieter Electrabel hat in den vergangenen Monaten zehntausende Kunden verloren. Kunden für Erdgas und Elektrizität wechselten zu günstigeren Anbietern. Die letzte Tariferhöhung für Gas brachte das Fass zum überlaufen.

Entsprechende Zahlen der Regulierungsbehörde für Energiefragen in Belgien, VREG, sind deutlich, wie Direktor André Pictoul gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion erklärte:

"Ich habe berechnet, dass Electrabel zwischen Anfang 2011 und dem 1. Februar 122.000 Stromkunden und 65.000 Gaskunden verloren hat. Das sind zwar hohe Zahlen, doch verglichen mit ihrer großen Zahl an Kunden bleibt dies natürlich relativ. Sie haben fast zwei Millionen Stromkunden und rund eine Million Gaskunden.“

Belgiens Wirtschafts- und Verbraucherschutzminister Johan Vande Lanotte (SP.A - Foto) zeigt sich zufrieden mit der Tatsache, dass die gesamte Diskussion um die Energiepreise endlich zu einem echten freien Markt im Land geführt haben: "Wir haben es glaube ich geschafft, die Verbraucher wachzurütteln und zum ersten Mal den Markt wirklich aufgebrochen.“

Heute seien die Verbraucher in der Frage, wem sie ihre täglich genutzte Energie abkaufen würden und wem nicht, kritischer geworden, so der Minister weiter.

Rückzieher

Am Freitagvormittag kündigte Electrabel mit einer Pressekonferenz an, dass man die Tariferhöhung des 1. April zurückziehe und seine Preise signifikant dem aktiellen Markt anpassen werde. Das bedeutet, dass der Preis für Erdgas um 10 % gesenkt wird und der Strompreis, je nach Tarifformel um durchschnittlich 11 %.

Vorher hatten bereits EDF Luminus und Essent einen Rückzieher gemacht. Verbraucherschutzverbände, wie z.B. Test Aankoop (vergleichbar mit der deutschen Stiftung Warentest), begrüßten die angekündigten Preissenkungen zu Gunsten der Kunden.

Wichtiger Stichtag 1. April

Es sieht wohl so aus, dass keiner der am belgischen Markt aktiven Energielieferanten die zum 1. April angekündigten Tariferhöhungen auch wirklich durchführen wird. Einige von ihnen haben ganz darauf verzichtet und machen jetzt gute Geschäfte mit Kunden, die von der Konkurrenz kommen und andere machen nach und nach Rückzieher.

Das Fass vieler Energiekunden in Belgien war Mitte März übergelaufen, als die Energiegiganten Electrabel und EDF Luminus für den 1. April die Gastarife anheben wollten. Dieser Tag war der Stichtag, an dem die belgische Bundesregierung die Energiepreise bis zum Jahresende eingefroren hatte, um die Verbraucher angesichts der empfindlichen Sparvorhaben zum Haushaltsangleich zu entlasten.