Adecco-Chef verursacht Kontroverse

Der belgische Chef der Zeitarbeitsfirma Adecco, Patrick De Maeseneire, rät Unternehmen, Belgien zu verlassen. Wenn Belgien sich nicht zu tiefgreifenden Reformen durchringt, drohe dem Land das gleiche Schicksal wie Griechenland, sagte der Manager in einer Talkshow des Fernsehsenders Kanaal Z.

Dringend müsse etwas gegen die zu hohen Lohnnebenkosten in Belgien unternommen werden, ansonsten empfehle er hiesigen Unternehmen das Verlassen des Landes.

Im Blick hat De Maeseneire unter anderem auch die Abschaffung von doppeltem Urlaubsgeld und 13. Monatsgehalt. Belgien gehöre zu den wenigen Ländern, die diese Lohnzusätze noch zahle. Dadurch seien die Lohnnebenkosten hierzulande viel höher.

Inspiriert zu seinem kontroversen Vorstoß habe ihn seine neue Wahlheimat, die Schweiz, wo Arbeitnehmer nur 12 Monatsgehälter ausgezahlt bekommen.

Es werde höchste Zeit wichtige Arbeitsmarktreformen zu beschließen, ansonsten drohe Belgien ein Griechenlandszenario, so De Maeseneire. Um die notwendige Debatte über diese Reform zu beschleunigen, empfiehlt der Manager Firmenchefs, ihr Unternehmen ins Ausland umzusiedeln. Nur dann werde konsequent an der Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der belgischen Wirtschaft gearbeitet.

Flämischer Arbeitgeberverband VOKA begrüßt die Kritik. Gewerkschaften reagieren sauer.

Auch die flämische Arbeitgebervereinigung VOKA bezeichnet die belgischen Lohnnebenkosten als zu hoch, fordert aber nicht die Streichung von Urlaubsgeld und 13. Monatsgehalt.

Der Wirtschaftsexperte Geert Noels findet, von einem vernünftigen Manager erwarte man solche Reden nicht. Es bringe nichts, so kontrovers in die notwendige Debatte zu gehen. In der Sache habe De Maeseneire aber nicht unrecht, denn die Lohnnebenkosten seien in Belgien wirklich zu hoch.

Marc Leemans, der Chef der christlichen Gewerkschafte ACV-CSC reagiert wütend: „Das ist ein Skandal aus dem Munde eines Mannes, der in einem Jahr so viel verdient wie andere während eines ganzen Berufslebens. Das Problem sind in Belgien nicht die Löhne der normalen Arbeitnehmer sondern die viel zu hohen Lohnnebenkosten. Die sind so hoch, weil Einkommen aus anderen Quellen als Arbeit nicht entsprechend besteuert werden. Die Lösung besteht darin auch für diese Einkommen einen korrekten Beitrag zu bezahlen."