Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Nach dem Rücktritt des N-VA-Spitzenkandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Brügge wegen sexueller Verfehlungen an seinem früheren Arbeitsplatz steht jetzt ein ehemaliger Redakteur unseres Hauses, der VRT, im Visier von Anschuldigungen.

Gleich zwei Mal gerieten in den vergangenen Tagen ehemalige Redakteure von flämischen Medien ins Kreuzfeuer der Kritik, weil sie sich vor langer Zeit sexueller Belästigung von Kolleginnen am Arbeitsplatz schuldig gemacht haben sollen.

Ende der vergangenen Woche trat Pol Van den Driessche von den flämischen Nationaldemokraten N-VA von allen politischen Ämtern zurück. Der frühere Journalist soll während seiner Zeit als Chefredakteur der Tageszeitung Het Nieuwsblad Kolleginnen belästigt haben. Das flämische Magazin HUMO nahm das Thema auf und der designierte Spitzenkandidat der N-VA für das Bürgermeisteramt in Brügge warf das Handtuch.

Jetzt sieht sich der ehemalige VRT-Fernseh- und Radiomoderator Jos Ghysen (Foto) Vorwürfen früherer Kolleginnen ausgesetzt, er habe sie vor vielen Jahren, damals hieß unser Haus noch BRT, sexuell belästigt.

In beiden Fällen sind die Vorwürfe längst verjährt und in beiden Fällen hatten einige der Opfer seiner Zeit die Belästigungen gemeldet, ohne dass damals darauf reagiert wurde. Heute müssen die Beteiligten von damals reagieren, denn die Medien haben das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz jetzt aufgegriffen.

"Das hat es schon immer gegeben"

Elfi Baillien, Wissenschaftlerin an der Katholischen Universität von Löwen (KUL) im Bereich Unternehmenspsychologie sagte dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auch heute noch ein Problem ist: "Aus Statistiken über sexuelle Einschüchterung erscheint, dass dies früher nicht weniger oder häufiger auftrat, als heute.“

Sie sagt auch, dass sich früher betroffene Opfer heute zu Wort melden, wenn ein Fall an die Öffentlichkeit gerät. Das gleiche gilt auch für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche, wie die dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate aufgezeigt haben.

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