Altenheim: Todesfälle durch Einsparungen?

25 Ärzte haben sich in einem offenen Brief über die Zustände im Altersheim von Sint-Jans-Molenbeek in Brüssel beklagt. In diesem Heim, das vom Öffentlichen Sozialhilfe-Zentrum (OCMW) in Molenbeek betrieben wird, sollen Betagte sterben, weil überall gespart werde.

In den beiden ersten Monaten des Jahres sind im Altersheim des Sozialamtes im Brüsseler Stadtteil Sint-Jans-Molenbeek 17 Rentner verstorben. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren nur 5 Heiminsassen verstorben. Dies liege an den rigorosen Einsparungen, wie 25 Mediziner in einem offenen Brief an den Kommunal- und den Sozialhilferat von Sint-Jans-Molenbeek beklagen.

Ende 2011 beschloss das Öffentlichen Sozialhilfezentrum (OCMW), in Molenbeek in ihrem Altersheim müsse drastisch gespart werden. 40 Heimplätze bzw. Betten wurden gestrichen, die 10 noch selbständigen Rentner mussten das Heim verlassen und nur noch die hilfsbedürftigsten Senioren durften bleiben. Zudem wurden 16 Arbeitsplätze abgebaut und vier weitere Mitarbeiter hatten ihre Kündigung eingereicht. Doch diese Maßnahmen hätten auf die übrigbleibenden Heiminsassen einen negativen Effekt gehabt, so die Ärzte in ihren Schreiben an die Öffentlichkeit. Sie habe dieser drastische Sparkurs unvorbereitet getroffen.

Dem offenen Brief der zuständigen Mediziner pflichtet Leen Vermeulen von der linksgerichteten Organisation "Medizin für das Volk“ bei: "Einige Betagte wurden verwirrt, bei anderen wurden die medizinische Versorgung und der Medikamentenplan angepasst und es gibt viel mehr Sterbefälle. Wir waren schockiert von diesen häufigen Todesfällen, denn dies ist im Durchschnitt das dreifache der Zahlen der vergangenen Jahre.“

"Kein Zusammenhang!"

Tania Dekens, Mitglied des kommunalen Sozialhilferats von Sint-Jans-Molenbeek, lässt einen Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen und den Todesfällen im OCMW-Altenheim nicht gelten: "Wir haben die Sterbezahlen der vergangenen Jahre über einen längeren Zeitraum analysiert und fanden eigentlich nicht beunruhigendes. Immer mehr alte Menschen bleiben im Alter lieber zu Hause und darum ist das Durchschnittsalter in unserem Haus auch so hoch. Wir stellen fest, dass dies keine abnormalen Vorgänge sind. Noch im März inspizierte die Brüsseler Gemeinschaftskommission unser Haus und auch alle anderen Brüsseler Seniorenheime und es gab absolut keine großen Bemerkungen.“

Brüssels regionale Wohlfahrtsministerin Brigitte Grouwels (CD&V - Foto) gab an, dass die Sparmaßnahmen im OCMW-Altenheim von Molenbeek dringend notwendig waren, doch sie versprach neue Beratungen: "Ich glaube, dass man in dem Altersheim auf einem guten Weg war, um die Situation zu sanieren. Es handelt sich hier um eine sehr alte Einrichtung mit Zuständen, die heute nicht mehr zulässig sind. Dazu hatte die Inspektion einige Anmerkungen und man war jetzt dazu übergegangen, diese umzusetzen. Wir werden in Kürze wieder zusammensitzen, um zu schauen, wie wir mit der Situation weiter umgehen.“