Reynders fährt nicht zur EM in die Ukraine

Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR - Foto) teilte am Mittwoch mit, dass er von einer Reise zu Spielen der Fußball-EM, die in der Ukraine stattfinden, absieht. Seine Entscheidung habe mit dem Umgang der Ukraine mit Julia Timoschenko zu tun.

Neben dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck oder dem EU-Kommissions-Vorsitzenden José Manuel Barroso sowie vielen anderen Spitzenpolitikern und Sportfunktionären aus Europa oder den USA wird auch Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR) nicht zu Fußballspielen in der Ukraine reisen.

Auch der frankophone Liberale reiht sich in den Reigen derer, die den Umgang der Regierung Janukowitsch in der Ukraine mit der inhaftierten und schwerkranken Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko (Foto) kritisieren ein. Reynders, begeisterter Fußball- und Standard Lüttich-Fan, wollte eigentlich dorthin reisen, um Belgien, obschon sich unser Land nicht für die EM qualifizieren konnte, zu vertreten. Doch die politische Lage in der Ukraine und der Umgang mit Timoschenko lassen ihn umdenken.

In einer entsprechenden Pressemitteilung hieß es am Mittwoch, "dass sich der Außen- und Vize-Premierminister sehr mit der Entwicklung von Frau Julia Timoschenko auseinandersetze und sich den vielen europäischen Kollegen anschließe, die in keiner Weise an der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine beteiligen.“

Im Laufe des Mittwochs teilte auch die flämische Landesregierung mit, keinen Vertreter aus ihren Reihen in die Ukraine zu entsenden.

Scheinheilig?

Ukrainische und auch polnische Medien werfen Europa inzwischen Scheinheiligkeit vor, doch der "EUobserver“ aus Brüssel sieht eine Chance zur Erneuerung der diplomatischen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine. Dort heißt es, dass sich die Ukraine derzeit ihrem Lieblingsspiel widme, nämlich der Wahl zwischen Russland auf der einen Seite und Europa und den USA auf der anderen:

"Einer der interessanteren Abschnitte dieses Spiels findet derzeit in Kiew statt. Meistens finden amerikanische oder russische Diplomaten direkte Worte und bekommen Unterstützung von anderen mächtigen Staaten. Die EU dagegen ist seit langem bekannt dafür, dass die meisten ihrer Diplomaten eher konfliktscheue Projektmanager sind, die liebend gerne EU-Hilfen vergeben, aber harte Themen vermeiden. Bisher war die Union ein freundliches diplomatisches Tierchen, dass sich im Gegensatz zur USA oder zu Russland oft einfach ignorieren ließ. Doch das ist jetzt vorbei."